Online-Anlagebetrug

Was ist Online-Anlagebetrug?

Online-Anlagebetrug ist auch unter den Begriffen Cybertrading-Betrug und Cybertrading Fraud bekannt. Dabei nutzen Kriminelle gefälschte Trading- und Investmentplattformen. Mit professionell wirkenden Webseiten, erfundenen Renditen und gezielter Werbung täuschen sie Anleger und Anlegerinnen und bringen sie dazu, Geld in vermeintliche Investments einzuzahlen. Häufig geht es um Kryptowährungen, Aktien oder andere Finanzprodukte. Das eingezahlte Geld wird anschließend unterschlagen.

Online-Anlagebetrug: Diese Begriffe werden ebenfalls verwendet

Online-Anlagebetrug erkennen

Vorschaubild zum Polizeivideo "Online-Anlage-Betrug erkennen" mit Kriminalhauptkommissar Carlos Gooding.

Achtung: Trading-Plattformen wirken seriös und werden professionell beworben

Cyberkriminelle erstellen professionell wirkende Fake-Trading-Plattformen, um Opfer zum Online-Investieren zu bewegen. Beworben werden diese betrügerischen Angebote über soziale Netzwerke, seriöse Webseiten und teilweise sogar in Zeitungen, Magazinen oder im Fernsehen. Die Täter setzen auf angebliche Prominenten-Kooperationen, die per Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden und nichts mit den echten Personen zu tun haben.

Unseriöse Trading-Plattformen erkennen und Anbieter prüfen

Ob Online-Trading-Plattform, Kryptowährung oder anderes Investmentangebot: Prüfen Sie Anbieter und Angebote sorgfältig, bevor Sie sich registrieren, persönliche Daten preisgeben oder Geld einzahlen. Diese Warnsignale und Prüfschritte helfen, unseriöse Anbieter und möglichen Online-Anlagebetrug (Cybertrading Fraud) frühzeitig zu erkennen.

  • Garantierte Renditen
    Versprechen von sicheren oder außergewöhnlich hohen Gewinnen sind ein typisches Warnsignal für Cybertrading-Betrug. Seriöse Anbieter können Renditen nicht garantieren. Hinterfragen Sie unrealistische Gewinnversprechen und lassen Sie sich Risiken und Kosten nachvollziehbar erklären.
  • Zeitdruck und Boni
    Befristete Angebote, hohe Bonuszahlungen und angeblich einmalige Chancen sollen zu schnellen Einzahlungen verleiten. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und prüfen Sie das Investment unabhängig, bevor Sie Geld überweisen.
  • Fehlende Regulierung und unklare Anbieterangaben
    Fehlen Impressum, Firmenname, Anschrift oder nachvollziehbare Kontaktdaten, ist Vorsicht geboten. Gleichen Sie die Angaben mit offiziellen Unternehmensdaten ab. Prüfen Sie außerdem in der Unternehmensdatenbank der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), ob der Finanzdienstleister für die angebotene Tätigkeit in Deutschland zugelassen ist. Eine behauptete Lizenz allein ist kein Nachweis.
  • Fernzugriffssoftware
    Fordert ein angeblicher Anlageberater dazu auf, Programme wie AnyDesk oder TeamViewer zu installieren, besteht ein erhebliches Betrugsrisiko. Geben Sie weder Fernzugriff auf Ihren Computer noch Passwörter oder Zugangsdaten für Konten und Depots weiter.
  • Einzahlungen möglich, Auszahlungen blockiert
    Lassen sich Beträge problemlos einzahlen, Gewinne oder Guthaben aber nicht auszahlen, ist das ein deutliches Warnsignal. Häufig verlangen Täter zusätzliche Gebühren oder angebliche Steuern vor der Auszahlung. Überweisen Sie dafür kein weiteres Geld.
  • Warnungen und Erfahrungsberichte recherchieren
    Suchen Sie vor einer Einzahlung nach Warnmeldungen, Beschwerden und unabhängigen Erfahrungsberichten zum Anbieter. Prüfen Sie insbesondere die Warnungen der BaFin. Eine professionell gestaltete Website, positive Online-Bewertungen oder prominente Werbegesichter belegen keine Seriosität; auch solche Empfehlungen können gefälscht sein.

Die Verbraucherzentrale gibt weitere Hinweise, wie Sie unseriöse Online-Tradingplattformen erkennen können.

Der Ablauf eines Betrugs - Modus Operandi

Erster Kontakt über Anzeige oder Social Media

Die Täter werben über Social Media, Suchmaschinen oder Online-Anzeigen für vermeintlich lukrative Investments und locken potenzielle Opfer auf eine Fake-Trading-Plattform.

Persönliche Betreuung und erste kleine Gewinne

Persönliche Ansprechpartner bauen gezielt Vertrauen auf und es finden Einzahlungen von meist 250 Euro als Startsumme statt. Erste scheinbare Gewinne auf der Plattform vermitteln den Eindruck eines erfolgreichen Investments und animieren zu weiteren Einzahlungen.

Aufforderung zu höheren Einzahlungen

Die Täter drängen zu weiteren höheren Einzahlungen und stellen hohe Renditen in Aussicht. Oft werden dabei Zeitdruck und angeblich einmalige Investmentchancen genutzt.

Zusätzliche Gebühren vor Auszahlung

Um Vertrauen aufzubauen, werden kleine Beträge auf Anfrage zu Beginn teils ausgezahlt. Täter nehmen den Verlust von geringen Summen in Kauf. Wer höhere Beträge von seinen kompletten „Gewinn“ auszahlen lassen möchte, wird häufig mit weiteren Forderungen konfrontiert – etwa für Steuern, Gebühren oder angebliche Freischaltungen. Eine Auszahlung erfolgt trotz Zahlung nicht.

„Leider sind die Kurse gefallen, Sie haben alles verloren!“

Erfundene Geschichten von gefallenen Kursen oder zu riskanten Tradings können dazu führen, dass die Opfer den Verlust hinnehmen und keine Anzeige erstatten.

Plattform wird unerreichbar

Schließlich bricht der Kontakt ab, der persönliche Ansprechpartner ist nicht mehr erreichbar und die Fake-Trading-Plattform wird abgeschaltet oder unzugänglich. Das eingezahlte Geld ist verloren.

Drei aktuelle Fallbeispiele

 

Tinder-Trading-Scam: Lockvögel (um)werben in sozialen Netzwerken

Beim sogenannten “Tinder-Trading-Scam" treten Lockvögel zunächst über Partnerbörsen und soziale Netzwerke, wie Tinder, Badoo oder Grindr, LinkedIn oder Facebook, mit ihren potenziellen Opfern in Kontakt. Sie flirten, versuchen Interesse zu wecken und über die Chats Vertrauen aufzubauen. Gelingt dies, inszenieren sie sich als wohlwollender Freund oder Geschäftskontakt. Im Folgenden locken sie, angebliche Verwandte oder Bekannte aus deren Umfeld, die Opfer auf vorgeblich besonders lukrative Anlagenportale. Von der ersten Kontaktaufnahme bis zum “Tippgeben” vergehen oft mehrere Wochen. Zunehmend werden solche irreführenden "Finanztipps" auch über Gruppen in Messengern verbreitet.

 

Datenklau per Remote-Software

Die Kriminellen, die sich sehr überzeugend und selbstbewusst als echte Broker ausgeben, nutzen zudem oft eine sogenannte Remote-Software. Diese wird unter dem Vorwand benutzt, den Kunden das Benutzerkonto zu erklären und einzurichten. Währenddessen stehlen die Betrüger unbemerkt Daten z.B. zu Kreditkarten und Bankkonten vom PC des “Kunden”. Mit den so erlangten Zugangsdaten überweisen die Betrüger später ohne Wissen der Geschädigten weitere Beträge an sich, meist auf ausländische Konten.

Mehr zum Thema Kredit- und Anlagebetrug.

 

Seien Sie misstrauisch: Investments mittels Kryptowährung und vorgetäuschte Depots

Wenn der interessierte Kunde sich online bei der Trading-Plattform angemeldet hat, wird er von den Cyberkriminellen direkt kontaktiert. Die "Trader" sind in Wahrheit Betrüger, die aus Call-Centern heraus agieren. Sie betreuen ihre "Kunden" sehr intensiv per Telefon und Messengerdienst. Die Opfer werden im Verlauf der vermeintlichen Beratung jedoch bedrängt. Nach der ersten, recht niedrigen Einzahlung - um das Depot kennenzulernen und Vertrauen in die Plattform zu gewinnen - sollen immer größere Summen in spekulative Finanzinstrumente und Kryptowährungen investiert werden. In der Regel findet oft gar kein Handel statt und auch die Broker-Software zeigt nur fingierte Transaktionen und Gewinne.

Sollen nun Gewinne und Renditen ausbezahlt werden, fangen die Probleme an. Es werden beispielsweise Steuern, Gebühren oder der Erwerb von Versicherungen verlangt, ehe eine Auszahlung vorgenommen werden könne. Teils wird ein Verdacht auf Geldwäsche vorgetäuscht und mit strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Betrüger sind einfallsreich, wenn es darum geht, die Auszahlung hinauszuzögern und die Betrogenen hinzuhalten. Das Geld sehen die Betrogenen jedenfalls nicht wieder.

Mehr zu lesen Sie auch im Ratgeber Internetkriminalität des LKA Niedersachsen.

Was tun im Ernstfall?

Vermuten Sie, Opfer eines Online-Anlagebetruges geworden zu sein, sollten Sie schnell handeln. Die richtigen ersten Schritte können helfen, weiteren finanziellen Schaden zu begrenzen, Beweise zu sichern und die Chancen auf eine Rückholung des Geldes zu erhöhen.

  • Zahlung stoppen: Überweisen Sie kein weiteres Geld, auch nicht für angebliche Gebühren, Steuern oder Provisionen, um Gewinne ausgezahlt zu bekommen.
  • Kontakt abbrechen: Beenden Sie jegliche Kommunikation mit den angeblichen Brokern.
  • Bank informieren: Kontaktieren Sie umgehend Ihre Bank oder den Zahlungsdienstleister, um Überweisungen zurückzurufen oder Konten zu sperren.
  • Beweise sichern: Erstellen Sie Screenshots von der Handelsplattform, speichern Sie E-Mails, Chatverläufe (z. B. WhatsApp) und halten Sie Bankbelege/Transaktionsnummern bereit. Haben Sie Notizen von Gesprächen gemacht oder sich Daten aufgeschrieben? Das alle kann wichtig sein für Ermittlungen.
  • Anzeige erstatten: Erstatten Sie Strafanzeige bei der Polizei. Dies kann bei jeder Polizeidienststelle oder über die Online-Wache Ihres Bundeslandes erfolgen. Achtung vor „Recovery Scam“: Betrüger melden sich oft nach einiger Zeit erneut und geben sich als Ermittler oder Anwälte aus, die versprechen, Ihr verlorenes Geld gegen eine Gebühr zurückzuholen. Das ist ein weiterer Betrugsversuch. Übrigens werden teilweise sogar die echten Beträge von „damals“ genannt, die nur die „Polizei“ kennen kann.
  • Kein Fernzugriff: Erlauben Sie den Tätern keinen Zugriff auf Ihren Computer (z. B. über Software wie TeamViewer oder AnyDesk).

Unterstützung und Hilfe

Checkliste Cybertrading-Betrug
A4, 2 Seiten

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Weiterführende Informationen

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