Gewalt im sozialen Nahbereich

Der soziale Nahraum ist ein geschützter Bereich, in dem jeder Mensch Sicherheit, Geborgenheit und Vertrauen erwartet. Dorthin kann sich jeder zurückziehen und Kraft schöpfen. Wird dieser Lebensraum verletzt, kann dies für die Betroffenen schwerwiegende psychische und physische Folgen haben.

Gewalt im sozialen Nahbereich

Der soziale Nahraum ist ein geschützter Bereich, in dem jeder Mensch Sicherheit, Geborgenheit und Vertrauen erwartet. Dorthin kann sich jeder zurückziehen und Kraft schöpfen. Wird dieser Lebensraum verletzt, kann dies für die Betroffenen schwerwiegende psychische und physische Folgen haben.

Gewalt innerhalb persönlicher Beziehungen bleibt häufig unerkannt

Straftaten im sozialen Nahbereich bleiben häufig unerkannt. Opfer schweigen oft aus Scham, Hilflosigkeit, Schuldgefühlen. Oft werden Übergriffe vom Opfer heruntergespielt oder verschwiegen aus Angst vor weiteren Gewalttaten. Je größer die objektive Hilflosigkeit der Opfer ist, desto häufiger bleibt die erlittene Gewalttat im Dunkeln.

Behinderte oder pflegebedürftige Opfer sind besonders auf den übergriffigen Partner oder die gewalttätige Betreuungsperson angewiesen. Sie sind oder fühlen sich oft wehrlos und offenbaren wegen ihrer Abhängigkeit vom Täter nur selten ihre körperlichen, sexuellen oder seelischen Misshandlungen.

Gewalt im sozialen Nahbereich entsteht in aller Regel nicht aufgrund einzelner isolierbarer Faktoren, sondern muss stets als ein Bündel an Ursachen gesehen werden. Gewalthandlungen in einer Partnerschaft sind unterschiedlich und vielfältig. Sie gehen nicht immer mit offensichtlichen Verletzungen einher. Beleidigungen, Drohungen, soziale Isolierung, Kontrolle, sexualisierte Gewalt und Demütigungen sind einige Gewaltformen, die kein Opfer hinnehmen sollte.

Sollten Betroffene selbst keinen Ausweg aus der Gewalt finden, ist jeder gefragt: Nachbarn, Verwandte, Freunde, Bekannte, die Zivilcourage jedes Bürgers.

 

Was können Sie tun?

  • Gehen Sie nicht vorbei.
  • Gehen Sie nicht weg.
  • Hören Sie nicht weg.
  • Schweigen Sie nicht.

 

Wenn es sich um Gewalt im sozialen Nahbereich handelt, dann ist es nicht egal, was hinter verschlossenen Türen geschieht. Nachbarschaftliche Hilfe kann entscheidend dazu beitragen, dass Opfer den Mut schöpfen, ihre Situation verbessern zu wollen.

Das Recht auf körperliche Unversehrtheit darf nicht an der Wohnungstür Halt machen.

Für Betroffene von häuslicher Gewalt gibt es ein umfangreiches Netz von Anlaufstellen und Hilfsangeboten. Hierzu erfahren Sie mehr im nächsten Abschnitt unter "Beratung und Informationen" oder in den Opferinformationen.

Nach Studien des Bundeskriminalamtes finden 75 Prozent der Gewalt gegen Frauen (einschließlich des geschätzten Dunkelfeldes) im sozialen Nahbereich statt. Aber auch Männer können von Gewalt im häuslichen Umfeld betroffen sein.

Der Alkoholeinfluss der Täter spielt hierbei eine große Rolle. Seit der Einführung der so genannten Wegweisung (Täter werden von der Polizei aus der Wohnung verwiesen und erhalten ein Betretungsverbot für einen bestimmten Zeitraum) und des Gewaltschutzgesetzes erhalten Frauen mit ihren Kindern die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen, sich zu informieren und beraten zu lassen, um für sich eine gute Perspektive der weiteren Lebensgestaltung zu finden.

Vor der gesetzlichen Nachbesserung mussten die Opfer oft fluchtartig die Wohnung verlassen, um dann überwiegend in Frauenhäusern Unterkunft zu finden, weil sie immer wieder der Gewalt des Partners ausgesetzt waren.

Gewalt im sozialen Nahbereich darf als Problem weder verschwiegen noch bagatellisiert werden, denn auch die Privatsphäre ist kein rechtsfreier Raum.

 

Die Menschenwürde bleibt auch in Ehe und Familie oder sonstigen Wohn- und Lebensgemeinschaften, in Pflege- oder sonstigen Heimen das wichtigste Grundrecht einer Person.

Dabei ist es ganz unerheblich, wie alt die Menschen sind und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit gilt auch hinter der Wohnungstür. Deshalb ist es für Opfer besonders wichtig, Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen.

Beratung und Information (kostenlos und auf Wunsch anonym) erhalten Betroffene von Gewalt im sozialen Nahbereich in den Interventionsstellen, die es in vielen Städten gibt. Sie arbeiten pro aktiv, d.h. Betroffene werden mit ihrer Zustimmung kontaktiert und erhalten zeitnah einen Termin.

Hierbei arbeiten Polizei, Staatsanwaltschaft sowie andere beteiligte Fachberatungsstellen unmittelbar zusammen. Basis dieser Projekte ist das DAIP-Modell (Domestic Abuse Intervention Project) aus den USA (Duluth/Minnesota), das sich mit Gewalt gegen Frauen in Ehe und Partnerschaft auseinandersetzt und durch Zusammenarbeit mit Polizei, Justiz und anderen Institutionen Richtlinien zur Bearbeitung von Gewalt im sozialen Nahbereich erstellt.

 

Rat und Hilfe
  • Frauenberatungsstellen, Frauenhäuser
  • Familien- und Eheberatungsstellen
  • Beratungsstellen für Opfer sexualisierter Gewalt, z.B. Wildwasser
  • Opferberatungsstellen wie der WEISSE RING e.V., Soziale Dienste
  • Jugendämter
  • Selbstbehauptungskurse
  • Informationsveranstaltungen der Polizei
  • Institutionen wie Volkshochschulen, Sportvereine
  • kirchliche Beratungs- und Opfereinrichtungen

Weitere Opferinformationen finden Sie auch unter: Hilfe und Unterstützung für Opfer häuslicher Gewalt.

 

Weiterführende Informationen
    • „Wege aus der Misshandlungsbeziehung“ (Buch), Unterstützung für Frauen und ihre Kinder vor und nach dem Aufenthalt im Frauenhaus. Erfahrungsberichte des Berliner Instituts für Sozialforschung (BIS)
    • „Hilfen für misshandelte Frauen“ (Buch), Schriftenreihe des Bundesministers für Jugend, Familie und Gesundheit, Band 124
    • „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ (Buch), Band 260 aus der Schriftenreihe des Bundesministeriums für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit.
    • „Ältere Menschen als Kriminalitätsopfer“ (Buch), von Frank Kawelovski, BKA Reihe Polizei, Nr. 59
    • „Kriminalität im Leben alter Menschen“, Kapitel 4 (Buch), Opfererfahrung in engen sozialen Beziehungen. Schriftenreihe Band 105 des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
    • „Männliche Gewalt gegen Frauen“, Teil B: Gewalt gegen Frauen in der Ehe/Partnerschaft/Familie (Buch), Lehrgangskonzeption für die Polizei, erstellt im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
    • „Familienstreitigkeiten und Polizei“ (Buch), Befunde und Vorschläge zur polizeilichen Reaktion auf Konflikte im sozialen Nahraum von der Kriminologischen Forschungsgruppe Bayerisches Landeskriminalamt, Münche

       

      Bitte beachten Sie:

      Dies ist nur eine kleine Auswahl von Veröffentlichungen zum Thema. Weitere Informationen erhalten Sie beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie in den verschiedenen Ministerien für die Gleichstellung von Frau und Mann.

      Medien zum Thema

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      Hilfe und weitere Informationen erhalten Sie auch in den Beratungsstellen vor Ort

      Sie haben Fragen zum Thema oder wissen nicht, wie im konkreten Fall gehandelt werden kann? Wenden Sie sich an eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe.