Jede Situation individuell betrachten

Sowohl die tatsächliche Sicherheitslage als auch das Sicherheitsgefühl werden durchräumlich-gestalterische Maßnahmen beeinflusst – positiv wie negativ. Im Rahmen der städtebaulichen Kriminalprävention ist jede Situation individuell zu betrachten, unabhängig davon, ob es sich um eine Neuplanung oder eine Umgestaltung handelt.

Jede Situation individuell betrachten

Sowohl die tatsächliche Sicherheitslage als auch das Sicherheitsgefühl werden durchräumlich-gestalterische Maßnahmen beeinflusst – positiv wie negativ. Im Rahmen der städtebaulichen Kriminalprävention ist jede Situation individuell zu betrachten, unabhängig davon, ob es sich um eine Neuplanung oder eine Umgestaltung handelt.

Wichtige Aspekte bei jeder Planung sind: Wie ist die bisherige Kriminalitätslage? Gibt es Auffälligkeiten in konkreten Deliktsbereichen? Wenn ja, lassen sich diese mit konkreten räumlichen Bedingungen in Verbindung bringen? Welche Einflussfaktoren und vorhandene Nutzungen gibt es im Umfeld? Welche Nutzungsanforderungen werden an den Ort gestellt und worin liegt diesbezüglich Konfliktpotenzial? Mit welchen konkreten baulich-gestalterischen Maßnahmen können hier die Prinzipien der städtebaulichen Kriminalprävention umgesetzt werden? Wie kann soziale Kontrolle hergestellt werden? Welche Akteure müssen in den Planungsprozess einbezogen werden?

Folgende Ziele sind anzustreben, wobei es für Planende ausreichend kreative Gestaltungsspielräume gibt und jede Situation sozial und räumlich individuell betrachtet werden muss:

Nutzungsvielfalt

Alle Nutzungsgruppen sollen sich im öffentlichen Raum sicher und möglichst konfliktfrei bewegen und aufhalten können. Die räumliche Planung und Gestaltung muss dem Rechnung tragen und z. B. durch funktionale Zuweisungen entsprechende Möglichkeiten schaffen. Um möglichst vielen Nutzungsgruppen den Aufenthalt auf Plätzen und die Nutzung von Freiräumen wie öffentlichen Grünanlagen zu ermöglichen, sind die Ausstattung und Angebote bedarfsgerecht an den Zielgruppen auszurichten. Auch schwieriger ansprechbare Nutzungsgruppen können – z. B. über die Einbindung von Sozialarbeit - einbezogen werden.

Zonierung

Durch tatsächliche oder psychologische Barrieren (Mauern, Zäune, Hecken usw.) werden Grenzen zwischen privaten, halböffentlichen und öffentlichen Räumen und damit auch unterschiedlichen Verantwortlichkeiten markiert. Eine solche Zonierung legt auch fest, wie und durch wen soziale Kontrolle ausgeübt wird.

Übersichtlichkeit

Gebäude, insbesondere Hauseingänge, wie auch Außenräume sollten so gestaltet werden, dass sich jeder schnell einen Überblick verschaffen und die Situation einschätzen kann. Verwinkelte Mauern, hohe Hecken, willkürlich und dicht hinter- oder nebeneinander platzierte Stadtmöblierung behindern die Sicht. Entsprechende Situationen sollten von vornherein vermieden oder nachträglich bereinigt werden. Auch Sichtbeziehungen zwischen Gebäuden und Außenanlagen sind wichtig, um die Kontrolle über die entsprechenden Räume zu haben.

Gute Beleuchtung

Wegeverbindungen, Parkplätze, Hauseingänge, Passagen, Unterführungen etc. sollten möglichst hell und gleichmäßig (kein Wechsel von Hell- und Dunkelzonen) ausgeleuchtet sein. Für Kommunen ist dabei die Beachtung der DIN EN 13 201 „Beleuchtung von Straßen, Wegen und Plätzen“ maßgeblich.

Orientierung

Eine gute Orientierung in Gebäuden oder im öffentlichen Raum reduziert Unsicherheit. Wo Richtungshinweise erforderlich sind, können diese durch Beschilderung, Markierungen oder Farbgestaltung zum Ausdruck kommen. Hausnummern in Wohnanlagen sollten schon von weitem deutlich erkennbar – und nachts beleuchtet – sein. In größeren Wohn- oder Gewerbeanlagen sowie an touristisch genutzten Orten sind Übersichtspläne an geeigneten Stellen eine wichtige Orientierungshilfe.

Barrierefreiheit

Die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am öffentlichen Leben soll gewährleistet werden – dazu ist eine barrierefreie bzw. behindertengerechte Gestaltung notwendig. Letztere ist mehr als nur ein Aspekt von Verkehrssicherheit: Auch die Gefahr Opfer zu werden ist größer, wenn sich die ganze Aufmerksamkeit nicht auf das Umfeld richten kann, weil beispielsweise aufgrund von Stufen, einer Mischung aus unterschiedlichen Bodenbelägen oder Instandhaltungsmängeln Unfallgefahr besteht.

Ordnung und Sauberkeit

Verwahrlosungstendenzen und Ordnungsstörungen ziehen erfahrungsgemäß nicht nur mehr davon nach sich, sondern sie beeinträchtigen auch das Sicherheitsgefühl. Sie senden das Signal aus, es gebe keine Kontrolle und keine sozialen Regeln und machen die entsprechenden Örtlichkeiten auch für soziale Randgruppen und potenzielle Täter attraktiv. Deshalb ist eine gute Instandhaltung von Gebäuden und öffentlichen Räumen eine wichtige Grundlage von Sicherheit. Funktionale und ausreichende Ordnungssysteme - wie z. B. Müllbehälter und sichere Fahrradabstellmöglichkeiten - sollten Bestandteil jeder Um- oder Neugestaltung im öffentlichen Raum sein.

Vandalismusschutz

Bei der Materialwahl und Gestaltung muss der Schutz vor Sachbeschädigungen ein wichtiges Auswahlkriterium sein, damit die Investitionen nachhaltig sind und die Folgekosten für Schadensbeseitigung möglichst gering ausfallen. Fassaden und andere Wandflächen können durch spezielle Anstriche oder Verkleidungen, durch Begrünung sowie künstlerische Gestaltung gegen Graffiti geschützt werden. Stadtmöbel aller Art müssen robust sein und trotzdem die Bedürfnisse unterschiedlicher Nutzergruppen – z. B. auch älterer Menschen – berücksichtigen.

Regeln

Soziale Regeln sollten in geeigneter Form vor Ort kommuniziert werden, um die soziale Kontrolle zu erleichtern.