Prävention von Extremismus

Es gibt verschiedene gesellschaftliche Projekte und –initiativen, die sich mit der Prävention von Linksextremismus befassen: Angebote im Internet, Unterrichtskonzepte für Schulen, aufklärende Printprodukte und einiges mehr.

Prävention von Extremismus

Es gibt verschiedene gesellschaftliche Projekte und –initiativen, die sich mit der Prävention von Linksextremismus befassen: Angebote im Internet, Unterrichtskonzepte für Schulen, aufklärende Printprodukte und einiges mehr.

Kriminalprävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, zu der die Polizei einen wesentlichen Beitrag leistet. Da es sich bei der Verhinderung der politisch motivierten Kriminalität -links- nicht um ein klassisches Thema der polizeilichen Kriminalprävention handelt, wird hier auch auf gesellschaftliche Präventionsprojekte und –initiativen hingewiesen.

Ziel dieser Ansätze ist es, das Demokratieverständnis von Heranwachsenden zu fördern und die Werte der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung zu vermitteln und insbesondere auf den Einsatz von Gewalt bei der Durchsetzung politischer Ziele zu verzichten.

Internet

Die Internetseite „www.polizeifürdich.de“ bietet eine bundesweite Informationsplattform für Jugendliche, auf der auch das Thema Extremismus vorgestellt wird.

Ausführliche Informationen zum Thema Linksextremismus sind auf dem Internetportal der Bundeszentrale für politische Bildung zu finden.

Auch einige der Landeszentralen für politische Bildung stellen Informationen zum Thema Linksextremismus bereit, wie z.B. die LpB Brandenburg und die LpB Baden-Württemberg.

Das Portal „Bayerrische Informationsstelle gegen Extremismus“ bietet neben Fachwissen zum Thema auch Hilfen für Eltern und Kommunen an, wie z.B. Tipps für den Fall, dass die eigenen Kinder in die „militante“ linke Szene geraten oder für die Förderung von Jugendarbeit. Für Lehrerinnen und Lehrer wurden Materialien als Anregungen für den Unterricht entwickelt.

Das Hessische Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus bietet ebenfalls vielfältige Informationen zum Thema Linksextremismus. Dort kann man auch kostenlos den Film "RADIKAL - Extremismus, Propaganda und Medienkompetenz" anfordern. Es handelt sich bei dem Film um Unterrichtsmaterial für Schülerinnen und Schüler ab Jahrgangsstufe 8. Der Film zeigt in mehreren Varianten phänomenübergreifend was passieren kann, wenn sich Jugendliche radikalisieren und welche Rolle das Internet dabei spielen kann.

 

Printmedien

Um Jugendliche für das Thema Linksextremismus zu sensibilisieren hat der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz den Comic „Andi“ für den Einsatz im Schulunterricht entwickelt. Im Rahmen der Handlung des Comics und auf zusätzlichen Informationsseiten werden verschiedene Aspekte des Linksextremismus einfach und verständlich erklärt, zum Beispiel das Gewaltmonopol des Staates oder das Demonstrationsrecht. Der Comic kann als kompletter Klassensatz bestellt werden. Angepasst an das Medienverhalten Heranwachsender gibt es den Comic mittlerweile auch als kostenlose App für Smartphones.

Einen schnellen Einstieg in das Thema Linksextremismus für Jugendliche und Eltern wie auch Pädagogen, bietet der Flyer „Feinde der Demokratie. Linksextremisten“ des Brandenburgischen Verfassungsschutzes. Der Flyer fasst kurz und bündig die wichtigsten Gruppierungen und ihre Symbole, die Aktionsfelder der Szene sowie die Aufgaben des Verfassungsschutzes zusammen.

 

Veranstaltungen

Die Polizei Berlin hat mehrere Konzepte entwickelt, um Kinder und Heranwachsende bzw. Schülerinnen und Schüler für das Thema Linksextremismus zu sensibilisieren. Dazu gehören Unterrichtseinheiten zum Thema Linksextremismus, Informationsveranstaltungen zur Gewaltprävention oder zu strafrechtlichen Konsequenzen von gewalttätigem Verhalten bei Demonstrationen, wie den alljährlich wiederkehrenden Ausschreitungen am 1. Mai.

Das Gewaltpräventionskonzept "AHA!" (Aufmerksamkeit, Hilfe und Appell) umfasst eine Vielzahl von Angeboten und Veranstaltungen der Polizei im Zusammenhang mit dem 1. Mai, die Jugendliche von den Krawallen fernhalten sollen. Dazu zählen Sportveranstaltungen, Konzerte oder auch der Einsatz von Anti-Konflikt-Teams der Polizei bei Demonstrationen.

Des Weiteren sollen potenzielle Mitläufer der Krawalle in der Walpurgisnacht und am 1. Mai mit der Präventionsinitiative „Eine Hand ist keine Faust“ angesprochen werden. Diese umfasst eine Reihe von Maßnahmen wie Videovorführungen, eine Fotoausstellung, sowie Diskussionen und Rollenspiele.  

 

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

Das Bundesfamilienministerium unterstützt mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ verschiedene Projekte und Initiativen für ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Miteinander und ist ein zentraler Baustein der Strategie der Bundesregierung zur Extremismusprävention und Demokratieförderung. Das BMFSFJ stellt eine Übersicht über die geförderten Projekte zur Verfügung.

Hauptzielgruppe des Programms sind neben Kindern und Jugendlichen auch Eltern, Familienangehörige, Pädagoginnen und Pädagogen sowie sonstige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.

  1. Seien Sie aufmerksam, wenn Ihr Kind einen „einseitigen“ Geschmack entwickelt, der in Verbindung mit einer politischen Ausrichtung steht!
    Meist folgen modische Phasen der Kleidung oder des Musikgeschmacks aktuellen Trends und gehen ohne Intervention in andere Phasen über. Wenn sich aber eine politisch bedenkliche Verfestigung abzeichnet, sollten Sie das Gespräch über Zeichen und Symbole suchen, bzw. sich für die Texte der Musik ihres Kindes interessieren. Das Interesse an Hintergründen kann eine Basis für Gespräche über die Inhalte sein.

  2. Achten Sie auf die Informationsquellen, aus denen Ihr Kind schöpft. Bei länger anhaltenden Einseitigkeiten sollten Sie sich einbringen!
    In der „linken Szene“ werden oftmals positive Positionen umdefiniert. Versuchen Sie, mit Ihrem Kind eine Diskussion über die Grundlagen der Positionen einzugehen. Nutzen Sie dazu auch Fachartikel oder (wissenschaftliche) Literatur. Versuchen Sie, das Interesse Ihres Kindes an den positiven Idealen zu nutzen, um auch vor Einseitigkeiten und Verdrehungen zu warnen (z.B. das Ideal „Gleichheit“ der Französischen Revolution und dessen Auslegung bis hin zum Stalinismus).

  3. Seien Sie aufmerksam, wenn sich Meinungen Ihres Kindes zu Parolen verhärten. In der Kürze liegt die Würze, aber auch die Verkürzung und Polarisierung.
    Es ist begrüßenswert, wenn sich Ihr Kind beispielsweise gegen Rechtsextremismus engagiert. Wenn aber „die Anderen“ in einer „Freund-Feind-Logik“  reduziert, zu „Gegnern“ abgewertet und handfest bekämpft werden, ist der Bogen überspannt. Es besteht das Grundrecht auf Meinungsfreiheit, das auch, innerhalb des gesetzlich definierten Rahmens, für Andersdenkende gelten muss.

  4. Werben Sie bei Ihrem Kind für die Möglichkeiten der legalen Meinungsäußerung. Friedlicher Protest ist zudem sympathischer und durchsetzungsfähiger als Gewalt.
    Die Geschichte der Erkämpfung der verfassten, bürgerlichen Rechte (Grundgesetz, Allgemeine Menschenrechte) rechnet in langen Zeiteinheiten. Wer etwas nachhaltig bewegen will, braucht einen langen Atem. Die oft gewaltsam durchgesetzten schnellen Siege waren langfristig betrachtet meist Niederlagen, da sie eher die Reaktion beflügelten, als die eigene Sache transportierten.

  5. Gewalt darf kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein! Langfristig betrachtet führen nur positive Mittel zur Durchsetzung positiver Ziele.
    Gewalt ist ein gefährliches Spiel mit eigenen Regeln. Was Gewalt ist, wird vom Opfer definiert. Gewalt eskaliert Konflikte und verlangt nach Rache und letztlich Vernichtung des Gegners. Ist diese Eskalationsspirale in Gang gesetzt, ist sie schwer zu stoppen. Wirkungsvoller Protest ist kreativ und verzichtet auf Gewalt.

  6. Wenn Sie Tendenzen der Radikalisierung und Fundamentalisierung bei Ihrem Kind feststellen, holen Sie sich Rat und Unterstützung!
    Wenn die Fronten zwischen Jugendlichen und Eltern verhärtet sind, sind Lösungen „aus eigener Kraft“ oft unwahrscheinlich. Es gibt ein breites Netz von Jugendberatungsstellen unterschiedlichster Träger, aber auch die Erziehungsberatung der Jugendämter. Sich bei großen Schwierigkeiten Hilfe zu holen, bedeutet nicht gescheitert zu sein, sondern souverän mit dieser Herausforderung umzugehen.
  1. Es existiert kein abgeschlossener Wissensbestand zum Hineinwachsen in "linke Szenen" – es zählt der Einzelfall!
    Die Kritik an den Lösungen der Eltern ist ein Privileg der nachfolgenden Generation. Wie die Prozesse des Übergangs von der Kritik zu extremistischen Haltungen und Meinungen ablaufen, wird wissenschaftlich kontrovers diskutiert. Für pädagogische Praktiker bedeutet dies, vor allem den Einzelfall zu betrachten und weniger Gruppen zu bewerten.

  2. Es lassen sich Schemata der Annäherung an linksextreme Einstellungsmuster angeben, die auf mehreren Ebenen stattfinden.
    Noch bevor sich kognitive Muster und Haltungen abzeichnen, findet bei Jugendlichen eine Affinisierung zu extremen Positionen statt, die auf Emotionen und Gewohnheiten basiert. Erst mit der Konsolidierung einer Haltung werden Einstellungsfragmente sichtbar. Spätestens hier sollte interveniert werden, um eine weitere Fundamentalisierung zu verhindern. Doch auch danach kann es Chancen geben, einen möglicherweise reifenden Distanzierungswunsch zu unterstützen.

  3. Bei der Betrachtung des einzelnen Jugendlichen sollten Risiko- und Schutzfaktoren berücksichtigt werden.
    Neben den offen sichtbaren Zeichen wie Kleidung sind insbesondere Präferenzen für eine kulturelle Selbstverortung, wie die Musikpräferenz von Interesse. Insbesondere das Auftreten als Einzelperson oder in Gruppenkontexten und die Konfrontation mit „Gegnern“ sollte beachtet werden. Eine zentrale Rolle spielen aber Schutzfaktoren, die unterstützt und gefördert werden können und in der Lage sind, Risikokonstellationen auszugleichen.

  4. Setzen Sie sich dafür ein, dass in ihrem Einflussbereich Erprobungsfelder politischer Mitbestimmung für Jugendliche geschaffen werden.
    Wesentliche Faktoren in der Prävention gegen (Links-)Extremismus bauen auf der Teilhabe und Verantwortungsübernahme in gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen, sozialen Kompetenzen und kommunikativer Konfliktlösung auf. Hierfür gibt es kein idealeres Lernfeld als die Settings, in denen sich Jugendliche alltäglich befinden.

  5. Politische Bildung basiert auf guten Argumenten und dem Aufgreifen von Interessen der Zielgruppe. Pädagogische Überwältigung funktioniert nicht!
    Die Förderung einer mündigen Persönlichkeit kommt ohne Taschenspielertricks und Überrumpelung aus, sondern stellt in Wissenschaft und Politik widersprüchlich behandelte Themen auch als kontroverse dar. Wenn Jugendliche in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und ihre eigene Interessenlage zu analysieren, wird eine Zuwendung zu demokratischen Handlungsweisen sehr wahrscheinlich.

  6. Für politische Ziele eingesetzte Gewalt markiert eine Grenze, nach der spätestens (auch) pädagogisch interveniert werden muss!
    Da die hinter der Gewalt liegenden Problemstellungen oft komplex sind, erscheint es sinnvoll, sich mit den Eltern, aber auch mit anderen pädagogischen Fachkräften abzustimmen, um zu einer umfassenden Beurteilung der Situation zu kommen. Wenn die Probleme hinreichend geklärt sind, kann jeder Beteiligte mit seinen Möglichkeiten zu einer koordinierten Reaktion beitragen.

  7. Jugendlicher Protest ist häufig überschäumend und ungestüm. Relevanter als die einzelne Grenzverletzung ist die Tendenz der Entwicklung.
    Junge Menschen schießen gelegentlich über das Ziel hinaus, was nicht als Zeichen einer Fehlentwicklung überbewertet werden muss. Es ist aber die Gelegenheit, Grenzen aufzuzeigen und zu verdeutlichen. Wenn sich im Anschluss eine Einsicht in das Fehlverhalten einstellt, die Chance einer Wiedergutmachung genutzt und Reue gezeigt wird, kann auch eine Grenzüberschreitung eine Lernchance sein.

Wer sich aus dem linksextremistischen Umfeld lösen will, kann sich an die Mitarbeiter des „Aussteigerprogramms Linksextremismus“ wenden, welches das Bundesamt für Verfassungsschutz 2011 ins Leben gerufen hat.

Neben einer telefonischen Beratung erhalten Hilfesuchende eine persönliche Begleitung und Betreuung während des Ausstiegs, immer unter Zusage absoluter Vertraulichkeit.

Auch Familienangehörige und Freunde von Angehörigen der linksextremistischen Szene können sich an die Mitarbeiter des Programms wenden.

Der Landesinnenminister Nordrhein-Westfalens hat angekündigt, im Verlauf des Jahres 2018 als erstes Bundesland in diesem Bereich ein eigenes Aussteigerprogramm zu schaffen.

 

 

 

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