Generation sorglos? Warum Kriminelle mit Cybertrading bei zwei Dritteln der Gen Z gute Chancen haben

Berlin/Bonn/Hamburg/Stuttgart, 03. Juli 2026 – Sie versprechen das schnelle Geld, doch bringen ihre Opfer am Ende vor allem um selbiges: Anzeigen für Fake-Finanzprodukte sind im Netz allgegenwärtig. Immerhin vier von zehn stolpern auf digitalen Kanälen über die betrügerischen Inserate, wie die Initiative Sicher Handeln (ISH) in einer aktuellen YouGov-Umfrage ermittelt hat. Dabei zeigt sich: Gerade Jüngere („Gen Z“) sind erschreckend sorglos. Woran das liegt und wie sich Nutzerinnen und Nutzer vor sogenanntem Cybertrading Fraud schützen können.

Ein kleines Investment, dafür hohe Rendite – und das in kurzer Zeit. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch. Cybertrading Fraud wird als Online-Betrugsmasche immer beliebter. In seinem Sicherheitsbericht für 2024 berichtet das Bundesministerium des Innern von einem Anstieg um 413 Prozent auf mehr als 1.000 Fälle(1). Der Schaden geht in die Milliarden.

Beim sogenannten Cybertrading Fraud handelt es sich um organisierten Online-Anlagebetrug. Kriminelle schalten seriös wirkende Anzeigen im Netz und werben darin für gefälschte Finanzprodukte, Aktien oder Kryptowährungen. Wer hier „investiert“, verliert am Ende fast immer sein Geld.

Doch wie verbreitet ist Cybertrading Fraud in Deutschland? Die Initiative Sicher Handeln (ISH) hat gemeinsam mit YouGov aktuelle Daten erhoben. Ergebnis: 39 Prozent aller Befragten sind diesen vermeintlichen Fake-Angeboten im vergangenen Jahr begegnet, allen voran in sozialen Netzwerken (22 %), auf Videoplattformen wie YouTube oder TikTok (17 %) oder über Werbung auf anderen Websites (12 %).

Viele der Befragten bieten Schwachstellen

Ein Schaden in Milliardenhöhe kommt allerdings nicht von ungefähr. Auf der Suche nach den Ursachen liefert die Umfrage ein gespaltenes Bild: Auf der einen Seite würden sich mehr als die Hälfte der Befragten (54 %) auch dann nicht mit Investment-Angeboten befassen, wenn diese besonders verlockend sind. Auf der anderen Seite offenbaren knapp vier von zehn Befragten (38%) teils gefährliche Schwachstellen. 

Hier zeigt sich: Es sind vor allem falsche Versprechen, die wirken. Demnach würde jeder fünfte Befragte (20 %) ein Angebot prüfen, wenn der vermeintliche Anbieter damit wirbt, das Geld jederzeit garantiert zurückzuzahlen. Auch das soziale Umfeld ist ein Risikofaktor: So würden sich zwölf Prozent der Befragten ein Angebot genauer anschauen, wenn Freundinnen und Freunde in sozialen Netzwerken positiv darüber berichten.

Zusätzlich mangelt es vielen an der nötigen Risikokompetenz. So erkennen zwar sechs von zehn (61 %) extrem hohe Renditen weit über dem Marktniveau als Alarmsignal. Künstlicher Handlungsdruck durch Sätze wie „Nur noch heute verfügbar“ lässt bei ebenso vielen die Alarmglocken läuten. Betrachtet man beide Warnsignale zusammen, zeigt sich jedoch: Drei von zehn Befragten (30 %) erkennen keines von beiden.

Ein tieferer Blick in die Daten enthüllt spannende Unterschiede. Männer bemerken die riskante Werbung auf Social Media mit 27 Prozent häufiger als Frauen (18 %). Zudem lassen sich Gutverdiener viel leichter ködern als Haushalte mit geringerem Einkommen: Wer über mehr als 3.000 Euro Haushalts-Netto-Einkommen im Monat verfügt, ist anfälliger. Nur 46 Prozent dieser Gruppe geben an, das Angebot unter keiner der genannten Voraussetzungen zu prüfen. Sie springen besonders auf schnelle App-Anmeldungen und vermeintliche Garantien an. Wer Geld hat, will es schnell und einfach vermehren.

Gen Z: „Besorgniserregende Offenheit“

Deutlich härter trifft ein Schaden meist junge Menschen, schließlich sitzt das Geld so früh im Leben selten schon locker. Allerdings zeigt die Umfrage: Gerade die Gen Z geht besonders sorglos mit Fake-Angeboten um. „Die Ergebnisse belegen eine besorgniserregende Sorglosigkeit innerhalb der Gen Z“, warnt Harald Schmidt von der Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention als Sprecher der ISH. „Obwohl die Gen Z digital aufwächst, schützen sie sich im Netz erstaunlich schlecht vor Betrug durch Cybertrading Fraud.“

Die Zahlen belegen das: Während sieben von zehn „Boomern“ (69 %) extreme Renditen sofort als Betrug entlarven, schafft dies bei der Gen Z nicht mal die Hälfte (45 %). Auch künstlicher Handlungsdruck wirkt kaum abschreckend. Nur 44 % wittern eine Falle.

Darüber hinaus offenbart die Umfrage eine gefährliche Kettenreaktion: Die Gen Z verbringt ihre Zeit ausgerechnet dort, wo die Kriminellen lauern. 37 % von ihnen sehen vermeintliche Fake-Anzeigen auf Social Media. Gleichzeitig scheinen zentrale Warnsignale bei ihnen seltener zu verfangen. Nur ein Drittel der Gen Z (33 %) schließt kategorisch aus, sich näher mit solchen Angeboten zu beschäftigen. Die übrigen Befragten dieser Altersgruppe zeigen sich offener für mindestens einen der abgefragten Anreize. Auffällig ist dabei: Im Vergleich zu älteren Generationen lässt sich die Gen Z häufiger von professionellem Website-Design (16 %) oder Berichten von Freundinnen und Freunden (24 %) blenden. „Die Täterinnen und Täter nutzen diese Gutgläubigkeit eiskalt aus“, erklärt Schmidt. „Sie locken die Opfer auf ihre Seiten und drängen sie in private Messenger wie WhatsApp. Genau diesen Wechsel sehen aber nur 41 % der Gen Z als Warnsignal.“

Kritischer Umgang im Netz als bestes Schutzschild

Um sie und alle anderen Internetnutzer und -nutzerinnen besser zu schützen, ist die ISH um Aufklärung bemüht und gibt Tipps und Tricks, um die eigene Sicherheit im Netz zu erhöhen. Eine davon: die SHS-Regel (Stoppen, Hinterfragen, Schützen). Sie hilft ganz konkret:

  • Stoppen: Hohe Renditeversprechen („300 % Gewinn in nur zwei Wochen“) sind immer Warnsignale. 
  • Hinterfragen: Ist die Plattform reguliert? Gibt es ein authentisches Impressum? Kann man den Anbieter im Handelsregister finden?
  • Schützen: Kein Geld an Anbieter ohne Lizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Kein Fernzugriff auf den eigenen Computer gewähren. Verdächtige Werbung melden.

Manch ein Schaden ließe sich dadurch vermeiden, ist sich Schmidt sicher: „Ein bewusster, kritischer Umgang im Netz bildet den besten Schutzschild“, so der Sprecher der ISH. „Wer das Impressum prüft, utopische Garantien hinterfragt und sich nicht von schicken Oberflächen blenden lässt, nimmt den Betrügerinnen und Betrügern die Basis.“ Vielleicht sieht der nächste Sicherheitsbericht des Bundesministeriums des Innern dann wieder besser aus.

Externe Quellen
(1) Süddeutsche Zeitung:  https://www.sueddeutsche.de/panorama/justiz-massiver-anstieg-bei-betruegerischen-rendite-versprechen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-250506-930-503733

Über die Umfrage

Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 29.05. bis 01.06.2026 insgesamt 2.040 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.