Online-Betrug – Vorkassebetrug

Es gibt verschiedene Formen des Vorkassebetrugs. Oft handelt es sich dabei um gefälschte Online-Shops (siehe auch „Fake Shops“). Vorkassebetrug zählt zu den ältesten und häufigsten Betrugsmaschen im Internet. Diese Masche tritt in unzähligen Varianten auf. Das Grundprinzip ist simpel: Die Betrüger verlangen für eine vereinbarte Leistung eine Zahlung von ihrem Opfer – bevor sie diese erbringen. Fallen Opfer darauf herein, verschwinden die vermeintlichen Anbieter spurlos mit dem Geld, ohne dass die Betroffenen die versprochene Leistung erhaltenn. Deshalb ist Vorkasse die belibteste Zahlart unter Betrügern.
Dabei ist es ganz egal, ob du mit einem privaten oder gewerblichen Anbieter handelst. Insbesondere auf Kleinanzeigenportalen ist der Vorkassebetrug ein häufiges Phänomen. Denn zwischen Privatleuten ist es durchaus gang und gäbe, dass der Verkäufer zuerst sein Geld erhält und dann die Ware verschickt.
Auch wenn im Zusammenhang mit Vorkassebetrug oft von teurer Unterhaltungselektronik oder Haushaltsgeräten die Rede ist – die Masche betrifft keineswegs nur hochpreisige Artikel. Kriminelle nutzen bisweilen bewusst günstige Artikel wie Bücher. Auch kleine Summen können bei einer Vielzahl von Opfern „lukrativ“ sein. Auch aus einem anderen Grund kann das für Kriminelle eine lohnende Taktik sein, denn das Entdeckungsrisiko sinkt. Viele Menschen scheuen es, bei kleineren Verlusten den Vorfall der Plattform zu melden oder gar Anzeige bei der Polizei zu erstatten.
Auch bei der Wohnungssuche lauern Gefahren
Selbst Menschen auf Wohnungssuche können Opfer von Vorkassebetrug werden. Hier ist die Masche besonders perfide, da sie die oft verzweifelte Lage von Suchenden ausnutzt. Zugleich geht es oft um höhere Summen – nicht selten mehrere tausend Euro für Kautionen oder erste Monatsmieten. Der vermeintliche Vermieter behauptet beispielsweise, er sei gerade im Ausland und würde den Schlüssel gegen eine vorab überwiesene Kaution per Kurier schicken. Hin und wieder verlangen Betrüger auch „Gebühren“ für einen Besichtigungstermin. Seriöse Makler oder Vermieter tun dies niemals.
Vorkassebetrug wird oft mit einer anderen Masche kombiniert – Identitätsdiebstahl: Dabei werden die Opfer gebeten, eine Kopie ihres Personalausweises zu schicken. Diese Daten nutzen die Kriminellen dann, um unter den Namen ihrer Opfer neue Fake-Anzeigen zu schalten, Legenden zu stricken oder gar Konten zu eröffnen.
So erkennst du den Betrug
- Grundsätzlich gilt: Wenn ein Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein (z. B. ein neues Smartphone zu einem besonders günstigen Preis), ist es das meistens auch.
- Der Anbieter lehnt andere Bezahlmethoden kategorisch ab oder erklärt wortreich, weshalb diese für ihn nicht in Frage kommen.
- Legenden, Druck und Eile – Achte auf klassische Manipulationsversuche wie „Wer zuerst zahlt, erhält den Zuschlag“ oder klassische Betrugsanzeichen wie Aufenthalt im Ausland.
So schützt du dich
- Überweise niemals Geld per Vorkasse (Banküberweisung) an Unbekannte. Einmal überwiesenes Geld zurückzuholen, ist extrem schwierig und nur selten erfolgreich. Es spielt dabei übrigens keine Rolle, ob es sich um ein deutsches oder ausländisches Konto handelt.
- Bestehe auf der Verwendung sicherer Bezahlmethoden, Kreditkarte oder Rechnungskauf. Mach dich vorab mit der Funktionsweise und den Bedingungen von etwaigen Treuhand-Services oder Käuferschutz-Programmen vertraut.
Praxisbeispiel
Auf einem Kleinanzeigenportal findest du den neuen Bestseller deiner Lieblingsautorin. Du hast bislang gezögert, das Buch zum vollen Preis neu zu kaufen. Auf dem Onlinemarktplatz wird es für einen Bruchteil angeboten und ist damit selbst unter Berücksichtigung der Versandkosten ein Schnäppchen. Du nimmst Kontakt auf. Der Verkäufer meldet sich schnell zurück, besteht auf der Bezahlung mittels (Echtzeit-)Überweisung. Mit anderen Bezahlmethoden habe er schlechte Erfahrungen gemacht. Außerdem ging es ja nur um wenige Euro. Du willigst ein und zahlst per Echtzeitüberweisung. Doch auch Tage nach der Bezahlung erhältst du weder das Buch noch eine Rückantwort des Verkäufers.
Wie hilft die SHS-Regel?

Stoppen
Bevor du bezahlst, halte inne. Klar, es gibt auch mal richtig gute Angebote, aber ein Preis, der deutlich unter dem Marktwert liegt, ist in der Regel ein Warnsignal, auch und gerade an Aktionstagen. Zahle niemals per Vorkasse an unbekannte Personen oder Onlineshops.

Hinterfragen
Frage dich, weshalb jemand Waren deutlich unter dem Marktwert anbieten sollte? Warum schließt der Verkäufer sichere Bezahlmethoden aus?

Schützen
Wenn du ein ungutes Gefühl entwickelst: Nimm Kontakt auf, stelle kritische Fragen, notiere dir alle Daten (Screenshots). Bezahle, wenn möglich, mit einer Methode, die Käuferschutz bietet oder nimm besser gleich Abstand von einem Kauf. Falls du bereits Opfer geworden bist: wende dich sofort an deine Bank oder Zahlungsanbieter, um eine Rückbuchung zu prüfen. Erstatte außerdem Anzeige bei der Polizei.