Kindesmissbrauch ist immer strafbar

Sexueller Kindesmissbrauch ist keine Ausnahmeerscheinung: Die WHO geht in Deutschland von einer Million Mädchen und Jungen aus, die sexuelle Gewalt erleiden (Quelle: Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs). Verbale Belästigungen, sexuelle Berührungen, exhibitionistische Handlungen, Masturbation sowie orale, vaginale und anale Vergewaltigungen sind die häufigsten Formen des sexuellen Missbrauchs.

Auch Kinderpornografie ist eine Form des sexuellen Kindesmissbrauchs.

Sexueller Missbrauch von Kindern ist gemäß § 176 StGB (Strafgesetzbuch) eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Demnach macht sich ein Erwachsener oder Jugendlicher (14 Jahre und älter) strafbar, wenn er sexuelle Handlungen an einem Kind (jünger als 14 Jahre) vornimmt oder von einem Kind an sich vornehmen lässt.

Sexuelle Handlungen können mit und ohne Körperkontakt stattfinden. Somit fallen insbesondere Berührungen im Intimbereich und orale, vaginale oder anale Vergewaltigungen darunter. Auch das Zeigen oder gemeinsame Betrachten pronografischer Bilder oder das Entblößen von Geschlechtsteilen sind Missbrauchshandlungen.

Sexuelle Handlungen an oder mit Kindern sind immer strafbar, auch wenn sich das betroffene Kind scheinbar einverstanden gezeigt hat. Aufgrund seiner emotionalen und intellektuellen Entwicklung kann ein Kind einer sexuellen Handlung nicht wissentlich zustimmen - und somit niemals dafür verantwortlich sein, wenn es Opfer eines sexuellen Missbrauchs wird.

Entwicklung des Kindes besonders geschützt

Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Dadurch schützt das Strafrecht die ungestörte Entwicklung der sexuellen Selbstbestimmung. Es existiert eine Vielzahl einzelner Straftatbestände, die je nach Art der sexuellen Gewalt oder der Beziehung zwischen Täter und Opfer in entsprechenden Rechtsvorschriften erfasst sind.

Dabei handelt es sich insbesondere um folgende Paragraphen:

Verjährungsfrist bei schweren Sexualstraftaten

Bei schweren Sexualstraftaten ruht die Verjährung der Tat bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres des Opfers. Bis zu diesem Zeitpunkt ruht die Frist für Betroffene von Straftaten nach den §§ 176 bis 179, also sexueller Missbrauch, schwerer sexueller Missbrauch, sexueller Missbrauch mit Todesfolge, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung mit Todesfolge sowie sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen. Dies gilt auch für Taten, die vor dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Gesetzesänderung 2015 begangen wurden: Aber nur, wenn diese nach der alten Rechtslage noch nicht verjährt waren. Im deutschen Recht kann für eine Tat, die einmal verjährt ist, die Verjährungsfrist nicht mehr rückwirkend wieder aufleben.

Rechtsverbindlich wird die Verjährungsfrist von der Staatsanwaltschaft oder dem Strafgericht in jedem Fall individuell ermittelt. 

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