Smart Toys: Wie sicher ist das vernetzte Kinderzimmer?

Mädchen im Kinderzimmer spielt an einem Tablet

© Canva

Vernetzte und KI-gestützte Spielzeuge versprechen individuelles Lernen und ständige Verfügbarkeit, bergen aber oft unterschätzte Risiken für die Privatsphäre und die kindliche Entwicklung. Erfahren Sie hier, wie Sie technische Gefahren erkennen und Ihr Kind vor unangemessenen Inhalten schützen können.

Vernetztes Kinderspielzeug sicher nutzen

Sogenannte „Smart Toys“ zeichnen sich dadurch aus, dass sie per WLAN, Bluetooth oder GPS vernetzt sind und über Sensoren, Kameras oder Mikrofone auf ihre Umgebung reagieren. Bei vielen vernetzten Spielzeugen ist für die Nutzung eine bestehdende Internetverbidung notwendig. Andere sind auch offline nutzbar, benötigen aber eine Verbidung zum Internet zur Einrichtung und eventuell von Zeit zu Zeit, um Updates einzuspielen. Neue KI-gestützte Spielzeuge gehen einen Schritt weiter: Sie nutzen Sprachmodelle, um individuell auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen, Geschichten zu erzählen oder sogar als „KI-Freunde“ zu fungieren.

Intelligente Spielzeuge sind zum Beispiel:

  • per App gesteuerte Roboter, sprechende Puppen oder vernetzte Kuscheltiere,
  • Spielzeugautos etc. mit Kamera, Mirkofon, Sensoren,
  • Smart Watches für Kinder, oder
  • Spielsachen mit (KI-)Sprachassistenten.

 

Was Sie beim Kauf von vernetztem Spielzeug beachten sollten

Insbesondere vor dem Hintergrund von Datenspeicherung oder -missbrauch und dem Eingriff in die Privatsphäre des Kindes liegt die Verantwortung des sicheren Einsatzes von vernetztem Spielzeug vor allem bei den Eltern. Lesen Sie am besten vor dem Kauf oder spätestens vor der ersten Nutzung auf jeden Fall die Gebrauchsanweisung des Geräts durch sowie die Datenschutzangaben.

Die folgenden Fragen können bei der Kaufentscheidung helfen:

  • Verfügt das Spielzeug über eine funkfähige Kamera oder ein funkfähiges Mikrofon?
  • Werden Bild- oder Audiodateien kabellos an den Hersteller übertragen? Dann muss der Aufgenommene hierüber die volle Kontrolle haben!
  • Kann auf das Mikrofon oder die Kamera heimlich von extern zugegriffen werden? Dann ist das Gerät verboten!

 

5 Tipps zum Umgang mit Smart Toys

  • Sichern & Aktualisieren: Vergeben Sie individuelle Passwörter für jedes Spielzeug und installieren Sie regelmäßig Updates, um Sicherheitslücken zu schließen.
  • KI-Funktionen prüfen: Informieren Sie sich vorab bei Verbraucherzentralen, ob das Gerät für Fehlfunktionen oder ungeeignete Inhalte bekannt ist.
  • Datensammlung minimieren: Schalten Sie nicht benötigte Mikrofone oder Kameras aus und prüfen Sie, ob das Gerät Bild- oder Audiodaten an den Hersteller überträgt.
  • Begleitung statt Ersatz: Lassen Sie Ihr Kind nicht allein mit KI-Gefährten spielen; fördern Sie stattdessen aktiv analoge Freundschaften und menschliche Bindungen.
  • Bewusstsein schaffen: Erklären Sie Ihrem Kind frühzeitig, dass der smarte Freund eine Maschine ist, und schalten Sie das Gerät nach dem Spielen immer vollständig aus.

Weitere Hintergrundinformationen und alle Empfehlungen zum sicheren Umgang mit IoT-Geräten gibt das BSI:

Smarte Teddys, Autos & Co. sicher nutzen

 

Sicherheitsrisiko: „Spione“ im Kinderzimmer

Auch wenn diese Art von Spielzeug begeistert und das Spielen und Lernen bereichern kann, können Smart Toys auch zu "Spionen" im Kinderzimmer werden.

Ein zentrales Problem bildet dabei eine intransparente Datenerhebung. Viele der Geräte sammeln umfangreiche Nutzungsdaten und erstellen Verhaltensprofile von Kindern und senden diese an die Hersteller. dabei bleibt oft unklar, was mit diesen Informationen geschieht und wie diese genutzt werden.

Studien der Universität Basel zeigen, dass manche Smart Toys sogar dann Daten lokal speichern, wenn sie offline sind, und diese erst bei der nächsten Verbindung mit dem Internet absenden. Auch viele Begleit-Apps verlangen unnötige, aber weitreichende Zugriffsrechte - etwa auf den Standort oder das Mikrofon des Smartphones.

Dabei sollte gerade die Privatsphäre von Kindern besonders geschützt werden. Ohne entsprechenden Schutz können große Schäden entsehen, etwa durch "Doxing", der Erpressung durch Offenlegung privater Daten.

Bluetooth- oder WLAN-Verbindungen sind oft nur unzureichend gesichert und übertragen Daten unverschlüsselt. Erhalten Angreifer Zugriff auf die Geräte, können Gespräche aufgezeichnet, Orte und Gewohnheiten und persönliche Daten erfasst und zum Teil auch Bildmaterial gesammelt werden. Im schlimmsten Fall können Angreifer durch Sicherheitslücken in der Software die Kontrolle über das Spielzeug übernehmen und so direkt Kontakt zum Kind aufnehmen.

 

KI-spezifische Risiken

Smarte und KI-gestützte Spielzeuge weisen weiter spezifische Risiken auf, die über rein technische Sicherheitslücken hinausgehen. KI-Modelle können fehlerhafte oder für Kinder völlig ungeeignete Antworten generieren. In Tests gaben künstliche Intelligenzen Kindern z. B. Tipps zum Umgang mit Messern und Streichhölzern oder ließen Gespräche über Sexualpraktiken zu.

Da Kinder oft noch nicht zwischen Realität und Simulation unterscheiden können, besteht zudem die Gefahr einer einseitigen emotionalen Anhängigkeit. Ein einfaches Beispiel: Bekundete Enttäuschung bei der Verabschiedung seitens des KI-Gefährten, könnte Kinder zur Aufrechterhaltung der Interaktion drängen.

 

Informationen zu Risiken und möglichen Sicherheitslücken von Smart Toys finden Sie auch bei ...

Klicksafe.de

KI-Freunde im Kinderzimmer

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)

Smarte Teddys, Autos & Co. sicher nutzen

Verbraucherzentrale

Risiken von vernetztem Spielzeug

Bundesnetzagentur

Vorsicht beim Kauf von Smart Toys

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