Online-Betrug – Anzeigenbetrug (Ad Scams)

Um potenzielle Opfer zu erreichen, nutzen Betrüger zunehmend auch Werbeanzeigen. Im November 2025 berichtete die US-Nachrichtenagentur Reuters darüber, dass Meta – das Unternehmen hinter Plattformen wie Instagram und Facebook – rund zehn Prozent seines weltweiten Umsatzes mit Anzeigen für Betrugsmaschen und/oder verbotenen Waren und Dienstleistungen verdient. Im Jahr 2024 entsprach das rechnerisch rund 16 Milliarden US-Dollar (ca. 13,5 Milliarden Euro). Das Unternehmen bestritt, dass die Zahlen zutreffend seien. Dennoch werfen Kritiker dem Unternehmen schon seit Längerem vor, zu wenig gegen betrügerische Werbeanzeigen zu tun.

Das US-Unternehmen ist mit diesem Problem keineswegs allein: Tag für Tag werden auf unzähligen Plattformen – ob auf Websites oder in Apps – Werbeanzeigen ausgespielt, die Anzeichen für Betrug aufweisen. Der Grund: In der Regel wird Werbung von den Plattformen mittlerweile automatisiert geschaltet.

Ein Einfallstor für Betrug: Real-Time-Advertising kurz erklärt

Erika Musterfau ruft von ihrem heimischen Sofa ihre Lieblingswebsite auf. Noch während die Seite in Erikas Browser lädt, bieten Werbetreibende im Hintergrund über Werbebörsen um den Anzeigeplatz. Sie wissen nicht, dass die Nutzerin Erika Musterfrau ist. Doch sie wissen genug übre Erika: Zum Beispiel, welchen Browser bzw. welches Betriebssystem sie nutzt und in welcher Region sie sich aufhält. Mithilfe von Cookies können Nutzer wie Erika über das Internet hinweg „verfolgt“ werden. Dieses Retargeting genannte Verfahren ist auch der Grund, weshalb man oft Werbung für Produkte sieht, für die man sich zuvor auf anderen Websites interessiert hat. Zurück zum Bieterverfahren, das übrigens in Bruchteilen einer Sekunde läuft: Der Meistbietende darf seine Werbung schließlich Erika Musterfrau anzeigen.

Experten gehen davon aus, dass der Anteil dieser automatisierten Werbung mittlerweile rund 75 Prozent entspricht. Mit anderen Worten: Bei drei Vierteln der Werbeanzeigen, die wir im Internet sehen, gibt es keine manuelle Prüfung der Inhalte. In vielen Fällen ist das kein Problem. Doch auch Betrüger machen sich den guten Ruf und die Reichweite der Plattformen, auf denen sie werben, zunutze.

Besonders perfide: Es gibt Anzeichen dafür, dass Menschen, die einmal auf eine betrügerische Anzeige geklickt haben, anschließend häufiger betrügerische Werbeanzeigen ausgespielt bekommen. Grund dafür sind die Plattformen eigenen Algorithmen, die mittels Personalisierung versuchen, die vermeintlichen Interessen der Nutzer bestmöglich zu bedienen.

Die betrügerischen Werbeanzeigen dienen dazu, potenzielle Opfer anzulocken. Oft tritt diese Form des Betrugs im Zusammenhang mit anderen Maschen – beispielsweise Phishing, Anlagebetrug oder Fake Shops – auf.

So erkennst du den Betrug

  • Auf einer Website oder in deiner App siehst du eine Werbeanzeige für eine Geldanlage mit ungewöhnlich hohen Renditeaussichten.
  • Du siehst eine Werbeanzeige für ein beliebtes Produkt, welches zu besonders günstigen Konditionen angeboten wird.

 

So schützt du dich

  • Verlasse dich nicht darauf, dass eine Werbeanzeige seriös ist, nur weil sie in einem seriösen Umfeld erscheint.
  • Beachte auch unsere Hinweise zu Vorkassebetrug und Fake Shops.

 

Praxisbeispiel

Du wirst über eine Werbeanzeige auf ein vermeintliches Schnäppchen-Angebot für ein Smartphone aufmerksam. Der Onlineshop sieht professionell aus, hat zahlreiche Siegel und wirbt mit einer Vielzahl von Bezahlmethoden. Letztlich kannst du aber ausschließlich via Vorkasse (z. B. Banküberweisung) bezahlen. Doch selbst Tage nach der Bezahlung erhältst du dein Smartphone nicht, und der Verkäufer ist nicht mehr erreichbar.

Wie hilft die SHS-Regel?

 

Stoppen

Bevor du bezahlst, halte inne. Klar, es gibt auch mal richtig gute Angebote, aber ein Preis, der deutlich unter dem Marktwert liegt, ist in der Regel ein Warnsignal, auch und gerade an Aktionstagen. Zahle auf keinen Fall per Vorkasse an unbekannte Personen oder Onlineshops.

 

Hinterfragen

Frage dich, weshalb jemand Waren deutlich unter dem Marktwert anbieten sollte? Prüfe ggf. den Shop: Handelt es sich um einen etablierten Onlineshop? Gibt es ein Impressum? Welche Zahlungsarten werden angeboten? Finden sich zu dem Shop Bewertungen oder Erfahrungsberichte? Gibt es einen Käuferschutz (z. B. über Anbieter wie PayPal)?

 

Schützen

Wenn der Shop verdächtig ist: Kontaktiere den Betreiber, stelle kritische Fragen, notiere dir alle Daten (Screenshots, Bestellbestätigung). Bezahle, wenn möglich, mit einer Methode, die Käuferschutz bietet. Falls du bereits Opfer geworden bist: wende dich sofort an deine Bank oder Zahlungsanbieter, um eine Rückbuchung zu prüfen. Erstatte außerdem Anzeige bei der Polizei.