Durch subtile Präsenz in Chats und Foren, versuchen extremistische Akteure, ihre Ansichten als "normal" erscheinen zu lassen. Sie texten, kommentieren und posten Bilder oder Videos. Einen festen Bestandteil bilden dabei „Memes“ – Bilder, animierte GIFs oder kurze Clips mit Slogans, die durch die einfache Bild-Text-Kombination komplexe Botschaften vermitteln. So wird extremistisches Gedankengut mit Hilfe von Stilmitteln, wie Ironie, Humor, Satire oder auch Bagatellisierung verbreitet.
Im digitalen Zeitalter sind Memes und Emojis weit mehr als nur humorvolle Spielereien. Sie fungieren als „Gedankenbausteine“, die kulturelle Informationen in Form von Bildern, Videos oder Textkombinationen schnell und massenhaft verbreiten. Während sie im Alltag meist der Unterhaltung dienen, nutzt die rechtsextreme Szene diese Formate gezielt.
Die Strategien: Humor als Türöffner
Rechtsextreme Akteure nutzen Meme nicht zufällig. Sie verfolgen dabei klare strategische Ziele:
- Humor als Schutzschild: Unter dem Deckmantel von Satire und „schwarzem Humor“ werden menschenfeindliche Ideologien verbreitet. Dies dient als Schutzraum gegen Kritik: Wird ein Post beanstandet, heißt es oft, es sei „nur ein Witz“ gewesen.
- Köder-Taktik: Ein humoristisches Meme fungiert oft als „Lockvogel“, um Aufmerksamkeit zu generieren. Wer einmal klickt, landet schnell in tiefergehenden „Rabbit Holes“ mit expliziteren politischen Inhalten.
- Ästhetisierung: Durch moderne Stile wie „Fashwave“ (eine Mischung aus 80er-Jahre-Ästhetik und rechtem Gedankengut) oder NS-Anime werden besonders Jugendliche in ihren Lebenswelten abgeholt.
Emojis: „Dog Whistling“ und die Macht des Kontextes
Um Sperren auf Plattformen zu umgehen und Gleichgesinnte zu erreichen, werden „Dog Whistles“ (Hundepfeifen-Politik) eingesetzt – Botschaften, die nur für Eingeweihte erkennbar sind.
- Zahlencodes: Bekannt sind die 18 (erster und achter Buchstabe des Alphabets, für "Adolf Hitler"), "88" oder die rassistische Parole "444".
- Emojis: Harmlose Symbole werden umgedeutet. Das Milchglas steht für „weiße Überlegenheit“, die Kiwi für Transfeindlichkeit und der Clown verspottet demokratische Politik.
- Kontext ist alles: Die Bedeutung dieser Symbole ist fast immer kontextabhängig. Während ein Tür-Emoji meist harmlos ist, kann es in rechten Kreisen eine antisemitische Verschwörungserzählung zur Leugnung des Holocaust transportieren.
Radikalisierung und Diskursverschiebung
Die ständige Präsenz dieser Inhalte führt zu einer schleichenden Abstumpfung. Rechtsextreme Narrative werden normalisiert und wirken schließlich „salonfähig“, da das Empörungspotenzial durch die ständige Wiederholung abflacht. Grenzen des Sagbaren verschieben sich, was im schlimmsten Fall Radikalisierung Vorschub leisten kann.
Was man tun kann: Digitale Zivilcourage
Wenn Sie auf solche Inhalte stoßen, ist Handeln gefragt:
- Melden & Blockieren: Nutzen Sie die Meldefunktionen der Plattformen oder von Meldestellen, wie der internet-beschwerdestelle oder jugendschutz.net.
- Gegenrede leisten: Zeigen Sie Präsenz. Sachlicher Widerspruch signalisiert Mitlesenden, dass rechtsextreme Positionen nicht unwidersprochen bleiben.
- Anzeige erstatten: Strafbare Inhalte (z. B. Volksverhetzung oder verbotene Symbole) sollten bei der Polizei zur Anzeige gebracht werden.
Weiterführende Informationen und Hilfe finden Sie hier:
Rechtsextremismus, Erkennungszeichen und Symbole
Rechtsextremismus: Erscheinungsformen
Beratung bei digitaler Gewalt und Hassrede
Dossier zu Rechtsextremismus und Medienkompetenz
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)
Meldestelle für jugendgefährdende Inhalte im Netz
Was sind Meme eigentlich?
Ursprünglich aus der Evolutionsbiologie stammend, bezeichnen Meme heute mediale Formate, die in Gruppen auftreten und immer gleiche Inhalte in leicht abgeänderter Version darstellen. Sie leben vom Mitmach-Moment: Jeder kann sie leicht bearbeiten und weiterverbreiten, was ein starkes Gemeinschaftsgefühl – eine Art „niederschwelligen Mitmachfaschismus“ – erzeugt.
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