Statistik

Verbreitung von Kinderpornografie nimmt stark zu

PKS 2021 - mehr Fälle der Verbreitung von Kinderpornografie

© Polizeiliche Kriminalprävention

Die heute veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt: Die Zahl der Straftaten, die mit dem Tatmittel Internet begangen wurden, ist weiter gestiegen. Hierzu zählt auch die Verbreitung von kinderpornografischen Inhalten über Messengerdienste. Zu den Täterinnen und Tätern zählen häufig Kinder und Jugendliche, die sich der Tragweite ihres Tuns nicht bewusst sind.

2021 wurden 383.469 Fälle erfasst, die mit dem Tatmittel Internet begangen wurden. 2020 waren es 320.323 Fälle, im Vorjahr 294.665 Fälle. Die Begehungsform „Tatmittel Internet“ umfasst in der Polizeilichen Kriminalstatistik Straftaten wie Waren- und Warenkreditbetrug, Computerbetrug, Leistungs- und Leistungskreditbetrug, die Verbreitung pornografischer Schriften und Straftaten gegen die Urheberrechtsbestimmungen.

Die Verbreitung pornografischer Schriften stellt mit 39.320 Fällen (10,3 Prozent) zwar nur einen kleinen Anteil der Straftaten mit dem Tatmittel Internet dar. Gleichzeitig spiegelt diese Zahl allerdings ein immer größer werdendes Problem wider: Die Verbreitung von kinderpornografischen Inhalten/Missbrauchsdarstellungen über soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste. Der darunter erfasste Straftatbestand Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Inhalte macht allein 79,8 Prozent aus. In Fallzahlen ausgedrückt sind dies 31.383 Fälle.

Auch Minderjährige verbreiten Missbrauchsdarstellungen

Auch Kinder und Jugendliche werden oft unwissentlich zu Tätern: Laut Polizeilicher Kriminalstatistik waren im Jahr 2021 fast 40 Prozent der Tatverdächtigen nur bei der Verbreitung von Kinderpornografie über das Tatmittel Internet (aufgeklärte Fälle) jünger als 18 Jahre. Als Tatverdächtige erfasst wurden 1.944 Kinder (2020: 775) und 3.063 (2020: 1.333) Jugendliche, die aktiv Missbrauchsdarstellungen über Smartphones usw. verschickt haben.

Was viele nicht wissen: Bei Kinderpornografie ist nicht nur die Verbreitung eine schwerwiegende Straftat, sondern bereits der Besitz. Werden Inhalte beispielsweise in WhatsApp-Gruppen geteilt, machen sich auch die Empfänger der Nachrichten strafbar, weil sie in den Besitz von kinderpornografischen Darstellungen gelangen. Dieser Umstand spiegelt sich in den Zahlen der Tatverdächtigen bei der Verbreitung, dem Erwerb, dem Besitz und der Herstellung von Kinderpornografie mit dem Tatmittel Internet wider. Im Jahr 2021 wurden insgesamt 28.661 Tatverdächtige (2020: 12.516) erfasst. Darunter waren 11.666 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren und 3.870 Kinder unter 14 Jahre. Der Anteil der minderjährigen Tatverdächtigen lag 2020 bei ungefähr einem Drittel (aufgeklärte Fälle: 1.650 Kinder und 3.388 Jugendliche) und ist nun auf 54 Prozent gestiegen.

Mehr Fälle gemeldet

Gründe für die Zunahme sind einerseits die Meldungen des National Center of Missing and Exploited Children (NCMEC) in den USA ermittelter Delikte, die - sofern der Tatort in Deutschland liegt - über das Bundeskriminalamt an die zuständigen Polizeidienststellen in den Bundesländern zur weiteren Bearbeitung übermittelt werden. Daneben führen auch die anlassunabhängigen Internetrecherchen, zum Beispiel durch das Bundeskriminalamt oder die Intensivierung der Ermittlungen im Nachgang zu Großverfahren in Lügde, Bergisch Gladbach und Münster zu Anstiegen der Fallzahlen. Auch die intensive Aufklärungsarbeit im Rahmen bundesweiter Präventionskampagnen hat zu einer gesteigerten Sensibilität und Anzeigenbereitschaft in der Bevölkerung geführt.

Kampagne klärt Kinder und Erwachsene auf

Mit der Gesetzesverschärfung des Paragrafen § 184b StGB (Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Schriften) zum Verbrechenstatbestand hat die Aufklärung in diesem Themenfeld nochmals an Bedeutung gewonnen. Die Kampagne der Polizei „SOUNDS WRONG“ klärt junge Menschen und ihr erwachsenes Umfeld über die strafbare Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen auf. Mittels FAQ-Formaten und markanten Kampagnenclips können sich die Zielgruppen über den Umgang mit erhaltenen kinderpornografischen Inhalten auf der Kampagnenwebsite informieren.

Kampagne „Sounds Wrong“

Infotext „Tatmittel Internet“

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