Objekte der Begierde

Ratschläge und nützliche
Verhaltensregeln, damit
Sie sicher leben.

Sexuelle Gewalt innerhalb von Beziehungen ist nur schwer zu kontrollieren - Betroffene sollten sich daher nicht scheuen, Hilfe bei Beratungsstellen oder der Polizei in Anspruch zu nehmen. Nur wer konsequent gegen Täter vorgeht, kann sexuelle Gewalt beenden.

Aber auch Fremde können sich in der schlimmsten Art und Weise jemandem näher - auf der Straße, in einer Kneipe oder im Park. In manchen Fällen spricht der Täter sein Opfer vor der Tat an und fragt zum Beispiel nach der Uhrzeit, nach dem Weg oder Kleingeld. Daher sollte man sich in solchen Situationen mit Unbekannten nicht auf ein Gespräch einlassen. Vielmehr sollten gut beleuchtete Plätze und möglichst die Nähe zu anderen Menschen gesucht werden.

Tipps:

  • Kreuzen Sie bei vermuteter Verfolgung die Straße in einem 90-Grad-Winkel. Halten Sie nach beleuchteten Hauseingängen Ausschau, gehen Sie zielstrebig auf ein Gebäude zu und läuten.
  • Gehen Sie immer in die Richtung, wo Menschen sind. Steuern Sie nicht Ihre eigene Wohung an, wenn Sie hierbei abgelegene Örtlichkeiten passieren müssen.
  • Sprechen Sie Frauen an, die ebenfalls alleine in Ihre Richtung gehen und setzen Sie ihren Weg gemeinsam fort.
  • Sollte die Bedrohung und Verfolgung konkret werden, rufen Sie laut um Hilfe. Sprechen Sie mögliche andere Personen direkt an: "Sie, mit dem Polo-Hemd, helfen Sie mir." Appellieren Sie laut und deutlich an umstehende Personen.

Frauen aber auch Jugendliche können in Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskursen lernen, rechtzeitig Grenzen zu setzen sowie Strategien für Ausweichmöglichkeiten oder eine Gegenwehr zu entwickeln. Polizei und Landessportverbände sind bei der Suche nach seriösen Kursangeboten behilflich.

Vorsicht beim Einsatz von Tränengas & Co.
Reizgase in Spraydosen, Schreckschusswaffen mit Tränengaspatronen und in Taschenlampen und Schlagstöcken eingebaute Sprühgeräte haben diverse Mankos: Zum einen ist die Reizgasmenge oft nicht ausreichend; zum zweiten spielen Windrichtung und -stärke eine nicht unerhebliche Rolle, da sich die nebelige Wirkung bei unsachgemäßer Anwendung oftmals gegen das Opfer wenden und dabei Tränenblindheit verursachen kann. Zudem ist Reizgas zum Einsatz in geschlossenen Räumen (auch: Pkw etc.) nicht geeignet.
Das Führen einer PTB-gekennzeichneten Schreckschuss- bzw. Reizstoffwaffe (Signal-/Gaswaffe) außerhalb der eigenen Wohnung, Geschäftsräume oder des befriedeten Besitzes (z.B. sicher eingezäuntes Grundstück), erfordert den so genannten "Kleinen Waffenschein". Anderenfalls macht man sich strafbar.

Wohnung

So schützen Sie sich in der Wohnung:

  • Sorgen Sie für geeignete Tür- und Fenstersicherungen. Eine kostenlose Beratung erhalten Sie in jeder "(Kriminal)Polizeilichen" Beratungsstelle.
  • Sollten Sie in der Wohnung von einem Mann bedrängt oder bedroht werden, so werfen Sie Gegenstände wie Vasen, Aschenbecher oder Blumentöpfe aus dem Fenster und rufen Sie laut "Feuer", weil sich dadurch die Nachbarn selbst bedroht fühlen und eher zu Hilfe kommen.
  • Nehmen Sie Kontakt zu Ihren Nachbarn auf. Wenn man sich kennt, ist die Hilfsbereitschaft größer.
  • Sollte eine für Sie unangenehme Situation auftreten, ertragen Sie sie nicht aus Höflichkeit und stellen Sie Ihr ungutes Gefühl nicht in Frage. Handeln Sie und bestehen Sie darauf, dass "er" die Wohnung verlässt.

Sollte "er" dieser Aufforderung nicht folgen, so verlassen Sie selbst Ihre Wohnung, um bedrohliche Gewaltsituationen erst gar nicht entstehen zu lassen. Kehren Sie dann mit Unterstützung wieder zurück. Ein derartiges Handeln bedarf der Gewöhnung, machen Sie sich also frühzeitig mit dieser Verhaltensalternative vertraut.

Mitfahren im PKW

So schützen Sie sich vor sexueller Gewalt:

  • Trampen Sie nicht!
  • Nutzen Sie Mitfahrgelegenheiten bei Frauen. Hier sind kaum Straftaten bekannt.
  • Machen Sie sich bei Mitfahrten in einem fremden Fahrzeugen mit den Tür-, Fenster- und Sicherheitsgurtmechanismen vertraut, um im Notfall das Fahrzeug sofort verlassen zu können.
  • Seien Sie aufmerksam während der Fahrt und behalten Sie im Blick, ob die vereinbarte Strecke eingehalten wird.
  • Sollte dies nicht der Fall sein oder der Fahrer zudringlich werden, dann bestehen Sie darauf, sofort auszusteigen.

Sollte der Fahrer dieser ausdrücklichen Aufforderung nicht Folge leisten, öffnen Sie das Fenster und werfen Sie alle greifbaren Gegenstände (auch die im Handschuhfach!) aus dem Fenster. So lösen Sie zum einen beim Täter einen gewissen Schock aus, zum anderen erregen Sie die Aufmerksamkeit des Straßenverkehrs. Handeln Sie schnell, konsequent und rechtzeitig; denn auf Feldwegen und einsamen Landstraßen könnte es dafür schon zu spät sein! Übrigens: Übergriffe im PKW werden nur in Ausnahmefällen durch Fremdtäter (Trampen) begangen. In den meisten Fällen sind sich Täter und Opfer bekannt.

Exhibitionismus

Exhibitionistische Handlungen:
Diese Form der sexuellen Gewalt ist für das Opfer schwer einzuschätzen. Denn meist kommt eine exhibitionistische Handlung völlig überraschend, so dass das Opfer niemals weiß, ob es "dabei bleibt", oder das Sich-Bloßstellen nur der Anfang eines schwerwiegenden sexuellen Angriffs darstellt. Diese Wirkung gehört zum Kalkül des Täters: Er erhält seine Befriedigung über die Empörung, den Schrecken und die Abscheu des Opfers. Gerade in den Abendstunden oder an abgelegenen Orten fühlen sich Frauen bzw. Mädchen besonders verunsichert.

Unser Tipp:
Nehmen Sie von Exhibitionisten keine Notiz. Gehen Sie zügig weiter und verständigen Sie die Polizei.

Technische Hilfsmittel zur Selbstverteidigung
Die im Handel frei erhältlichen Abwehrmittel bergen für Frauen und Mädchen eine große Gefahr in sich: Sie setzen ihr Vertrauen mehr in den Gegenstand als in sich selbst. Das heißt: Das eigene Sicherheitsgefühl knüpft sich an das Abwehrmittel. Dabei lassen Frauen und Mädchen allzu oft außer Acht, dass die "Körperwaffen" der klassischen Selbstverteidigung jederzeit verfügbar und viel problemloser einsetzbar sind.

Tränengas
Reizgase in Spraydosen, Schreckschusswaffen mit Tränengaspatronen und in Taschenlampen und Schlagstöcken eingebaute Sprühgeräte haben diverse Mankos gemeinsam: Zum einen ist die Reizgasmenge oft nicht ausreichend; zum zweiten spielen Windrichtung und -stärke eine nicht unerhebliche Rolle, da sich die nebelige Wirkung bei unsachgemäßer Anwendung oftmals gegen das Opfer wenden und dabei Tränenblindheit verursachen kann. Zudem ist Reizgas zum Einsatz in geschlossenen Räumen (auch: Pkw etc.) nicht geeignet.

Das Führen einer PTB-gekennzeichneten Schreckschuss- bzw. Reizstoffwaffe (Signal-/Gaswaffe) außerhalb der eigenen Wohnung, Geschäftsräume oder des befriedeten Besitzes (z.B. sicher eingezäuntes Grundstück), erfordert den so genannten "Kleinen Waffenschein". Anderenfalls macht man sich strafbar.

Elektroschlagstöcke
Elektroschlagstöcke zeigen nur dann die gewünschte Wirkung, wenn beide Elektroden direkten Kontakt mit der Haut des Täters haben und gleichzeitig der Einschaltknopf gedrückt ist. Daraus ergeben sich gleich mehrere Probleme. Erstens muss das Opfer auch dem Gerät ein relativ hohes Maß an Aufmerksamkeit schenken. Zum Zweiten lässt sich ein unmittelbarer Kontakt bei dickerer Kleidung kaum erzielen. Und schließlich kann das Gerät auch gegen das Opfer selbst eingesetzt werden.

Schrillalarm
Geräte mit Gasdruckpatrone und andere akustische Selbstverteidigungs-Artikel versetzen den Angreifer zwar möglicherweise auch in Schrecken, ohne dass sie sich gegen das Opfer selbst einsetzen lassen; doch kommen Anwohner und Passanten auf derartige Signale hin erfahrungsgemäß kaum zu Hilfe.

Kleinalarmgerät
Nützlichkeit und Vorteil derartiger Geräte, die über Schnurzugkontakt usw. ausgelöst werden und dann einen Dauerton freisetzen, ist bis dato nicht abschließend geklärt. Der Vorteil: Diese Geräte können bei einem befürchteten Angriff nach Auslösung weggeworfen werden - die Möglichkeit, sich körperlich zu wehren, bleibt also bestehen. Außerdem dürfte der Dauerton den Angreifer zumindest nervös machen. Fraglich ist jedoch, ob durch den Ton auch Hilfe herbeigeholt werden kann.

Rapel "Stinktieraroma"
Rapel ist ein kleines Kunststoffröhrchen mit einer Ampulle. Unter der Kleidung (z.B. am BH direkt am Körper) getragen, wird es bei Angriffen zerdrückt, um den Angreifer durch den abstoßenden Stinktier-Geruch zu vertreiben. Viele Frauen, die diese Form der Selbstverteidigung ausprobiert haben, halten es für eine Zumutung , sich auf diese Weise präparieren zu müssen.

Weitere Tipps

Bitte beachten Sie:

  • Machen Sie sich rechtzeitig mit dem Umgang Ihrer Verteidigungswaffe vertraut. Denken Sie daran, dass Sie Ihre Waffe möglicherweise einmal bei einer Angriffssituation unter Stress sachgemäß bedienen müssen.
  • Nutzen Sie die Gelegenheit, an Frauenselbstbehauptungskursen teilzunehmen. Informationen erhalten Sie bei allen "(Kriminal-)Polizeilichen Beratungsstellen"., Fachkommissariaten oder bei Frauenberatungsstellen oder Opferhilfsorganisationen wie dem Weißen Ring.
  • In Rechts- und Sozialfragen geben Frauenberatungsstellen, Frauenhäuser, Notrufeinrichtungen sowie andere Institutionen Hilfestellung. Sie begleiten Frauen bei Behördengängen, geben menschliche und therapeutische Unterstützung sowie Obdach für Frauen und Kinder, die keine andere Möglichkeit finden, sich der Gewalt zu entziehen.

Das Literaturangebot zur Thematik ist äußerst umfangreich; hier nur ein exemplarische Auszug:

"Und bist Du nicht willig…" Die Täter, Wyre, Swift, Volksblattverlag, Köln, 1991

(K)Ein Kavaliersdelikt? Sexuelle Belästigung im Arbeitsleben, Bundesministerium für Frauen und Jugend, Bonn, 1993.

Untersuchung: Vergewaltigung als soziales Problem, Band 141 der Schriftenreihe des Bundesministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit.

Gewalt gegen Frauen: Ursachen und Interventionsmöglichkeiten, Band 212 der Schriftenreihe des Bundesministers für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit.

Vergewaltigung: Hilfen für Frauen, Gleichstellungsstelle für Frauenfragen Stadt Bielefeld, Polizeipräsidium Bielefeld Kriminalkommissariat Vorbeugung.

Lehrgangskonzeption für die Polizei zum Thema, "Männliche Gewalt gegen Frauen", Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 1995.

Fachinformation: Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Selbstverteidigung/Selbstbehauptung, Ein Handbuch für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, für Trainerinnen und Trainer vom Hamburger Arbeitskreis "Gewaltprävention für Frauen und Mädchen", herausgegeben von der Polizei Hamburg und dem Senatsamt für die Gleichstellung.

Weiter Informationen und Unterlagen erhalten Sie bei Ihrer örtlichen Gleichstellungsbeauftragten oder Frauenberatungsstelle.