Erscheinungsformen

Salafismus
und Jihadismus

Salafismus

Salafisten orientieren sich an den ersten drei Generationen der Muslime, die als die „rechtschaffenen Altvorderen“ (arab. as-salaf as-salih) gelten. Sie behaupten, genauso leben zu wollen, wie es der Prophet Muhammad im 7. Jahrhundert als richtig beschrieben habe. Dabei orientieren sich Salafisten in vielen Fragen unmittelbar am Wortlaut des Koran und den Aussagen und Handlungsweisen Muhammads (Hadithe und der Sunna). Anhänger des Salafismus stellen eine Minderheit unter den Muslimen dar. Die Verbreitung des Salafismus wird u.a. durch Organisationen aus Saudi-Arabien weltweit gefördert.

Aus der Sicht der Salafisten verstößt jeder Versuch, das wortwörtliche Verständnis der Formulierungen in Koran und Sunna zu hinterfragen und sie nach den dahinterstehenden Werten und Zielen zu befragen, wie es in der islamischen Geistesgeschichte über Jahrhunderte verbreitet war und für die meisten Muslime heute noch üblich ist, gegen die Unveränderlichkeit der göttlichen Botschaft.

Gemeinsam ist Salafisten der Anspruch, den einzig wahren Islam zu kennen und zu leben. Sie behaupten, exklusiv über die Wahrheit der Religion zu verfügen. Alle anderen Muslime, die in großen oder kleinen Fragen andere Ansichten vertreten, gelten ihnen als Abweichler von der wahren Lehre oder gar als Ungläubige. Sie verfolgen das Ziel, eine islamische Gesellschaftsordnung zu errichten, entweder durch Missionierung von sogenannten Ungläubigen („Da’wa"-Arbeit) oder beim jihadistischen Salafismus auch mittels Gewaltanwendung.

Jihadismus

Der Jihadismus ist eine eigene Strömung, die sich aus dem Islamismus und dem Salafismus speist und durch die Bereitschaft zur Gewaltanwendung charakterisiert ist. Zu den jihadistischen Gruppierungen zählen zum Beispiel der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) und „al-Qaida“. Jihadisten rufen im Internet, vor allem in den sozialen Online-Medien zum bewaffneten Kampf gegen die, wie sie sagen, „Feinde des Islam“ auf. Für sie ist terroristische Gewalt ein unverzichtbares Mittel gegen „Ungläubige“ und sogenannte korrupte Regime.

Mit Propagandatexten, aufwändigen Videos oder mit sogenannten „Naschids“ (Gesangs-Hymnen) werben sie für sich und Ihre Ideologie. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene sind die Zielgruppe der Appelle, „endlich aufzustehen“ und gegen die Ungerechtigkeit und angebliche Unterdrückung der Muslime zu kämpfen. Verbunden wird die Botschaft mit Bildern von Gewalt, unschuldigen Opfern und Krieg. Versprochen werden Heldentum, Abenteuer und die Aussicht, als Märtyrer ins Paradies zu kommen.  

Dabei stammt der Begriff „Jihad“ vom arabischen Begriff für „sich bemühen“ ab und bedeutet ursprünglich, sich für ein gottgefälliges Leben anzustrengen oder auch mit spirituellen Mitteln zu kämpfen (der sogenannte „große Jihad“). Jihadisten jedoch sprechen vom militanten, kämpferischen Jihad (dem „kleinen Jihad“). Sie sehen in diesem individuellen aktiven Kampf gegen die sogenannten „Ungläubigen“ (Kuffar) und zur Verbreitung des Herrschaftsgebietes des Islam eine individuelle Pflicht eines jeden Moslems (arab. farḍ al-ʿayn) zusätzlich zu den bekannten „Fünf Säulen“.

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