Von der Anzeige bis zur Gerichtsverhandlung

Anzeige erstatten

Die Anzeige kann grundsätzlich bei jeder Polizeidienststelle oder Staatsanwaltschaft erstattet werden. Die Polizei wird die Anzeige in der Regel an die jeweilige kriminalpolizeiliche Fachdienststelle für Sexualdelikte weiterleiten. Dort kennt man die spezifischen Belange minderjähriger Opfer und kann die mit einer Anzeige verbundene Anhörung kindgerecht durchführen.

Bei der Anzeigenerstattung muss eine mehrfache Befragung des Opfers vermieden werden. Mitarbeiter spezialisierter Fachberatungsstellen oder Opferanwälte unterstützen Eltern bei der Anzeigenerstattung.

Beweissicherung

Bei der Beweisaufnahme für ein Ermittlungsverfahren werden Opfer, Zeugen und später auch der Beschuldigte vernommen sowie Spuren gesichert, um be- und entlastendes Material zusammenzutragen.

 

Aussage des minderjährigen Opfers

Grundsätzlich befragen nur besonders geschulte Beamtinnen (oder Beamte) die jungen Opfer. Eltern und Sorgeberechtigte müssen einer Befragung zuvor zustimmen. Um belastende mehrfache Anhörungen im Gerichtsverfahren zu vermeiden, werden bei minderjährigen Opfern Videovernehmungen bevorzugt.

 

Ergänzungspfleger bei tatverdächtigen Erziehungspersonen

Ist ein Elternteil selbst tatverdächtig, kann das Gericht einen so genannten Ergänzungspfleger (Mitarbeiter des Jugendamtes oder ein Rechtsanwalt) bestellen. Seine Aufgabe ist es, im gesamten Verfahren anstelle des tatverdächtigen Erziehungsberechtigten zu entscheiden, ob das Kind aussagt.

 

Anklage

Die Polizei leitet die Ermittlungsakte an die Staatsanwaltschaft weiter. Ob die Staatsanwaltschaft Anklage bei Gericht erhebt, wird nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen entschieden. Versucht ein Täter die Aussage des Opfers zu beeinflussen (mit einer Belohnung oder durch Drohungen), teilen Sie dies unverzüglich der ermittelnden Polizeidienststelle oder Staatsanwaltschaft mit. Dies könnte einen Haftgrund (Verdunkelungsgefahr) darstellen, woraufhin der Täter festgenommen werden könnte.

 

Opferanwalt

Das Kind kann als Nebenkläger im Strafverfahren auftreten. Dabei kann es auf Staatskosten durch einen Anwalt vertreten werden. Dieser kann das Kind zu den Vernehmungen begleiten und – wenn erforderlich – auf den Prozess vorbereiten. Weiterhin kann der Nebenklagevertreter bereits im Strafprozess Ansprüche auf Schadensersatz (z.B. wegen Therapiekosten) und auf Schmerzensgeld gegen den Angeklagten geltend machen sowie dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit oder der Angeklagte von der Verhandlung ausgeschlossen werden. Über diesen Nebenklagevertreter können auch Anordnungen zum Schutz des Kindes vor weiteren Übergriffen beantragt werden.

Bei der Auswahl eines Opferanwaltes helfen auch erfahrene Opferschutzorganisationen wie die Außenstelle des WEISSER RING e.V.

Anhörung vor Gericht

Auch wenn sie keinen anwaltlichen Beistand haben, werden Kinder im Gerichtsverfahren besonders geschützt. Wenn eine gerichtliche Anhörung erforderlich sein sollte, dürfen Kinder und Jugendliche ausschließlich von Richtern befragt werden.

Ausführliche Informationen zum Ablauf des Strafverfahrens:

Ablauf des Strafverfahrens

Unsere kostenlose Broschüre „Missbrauch verhindern!“

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