Bitte geben Sie beim Zitieren aus dem Glossar folgende Quelle an:

Verbundprojekt Transit
Deutsches Institut für Urbanistik
Sicherheit im Wohnumfeld - Glossar
Berlin 2014

Glossar C

CCTV

Closed Circuit Television →Videoüberwachung

Community Policing

Community-Policing (gemeindeorientierte Kriminalprävention) ist ein nicht einheitlich definierter Ansatz der →Kriminalprävention aus den USA, bei dem es meist um die Zusammenarbeit von der Bevölkerung im weitesten Sinne und der →Polizei geht. Der Ansatz betont die Bedeutung der kommunalen Ebene für die Kriminalprävention, die Aktivierung der Bürger und Bürgerinnen und deren Einbezug in die Kriminalprävention. Je nach Verständnis geht es dabei um die Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft, aber auch mit kommunalen Akteuren und Akteurinnen wie den Ordnungsbehörden und der Kommunalverwaltung, z.B. in Form von →kriminalpräventiven Gremien. Die verschiedenen Verständnisse spiegeln sich auch in der Umsetzung des Community-Policing in Deutschland wider, welches dort seit den 1990er-Jahren vermehrt zu finden ist (Ooyen 2006: 46). Der zugrunde liegende kriminalpräventive Ansatz will dabei nicht nur →Straftaten verhindern, sondern auch die →Sicherheit möglicherweise beeinträchtigendes abweichendes →Verhalten und →Incivilities verhindern. Voraussetzung für die Zusammenarbeit ist ein großes Vertrauen der Bevölkerung gegenüber der Polizei. Eine Herausforderung des Community-Policing ist, dass sich die Polizei als zentrale Akteurin in ihrer Kultur und Struktur entsprechend auf die Zusammenarbeit einstellen muss. Findet gleichzeitig zum Community-Policing keine Anpassung innerhalb der Polizei statt, welche eine Kooperation mit Bürgern und Bürgerinnen ermöglicht, kann es nicht erfolgreich umgesetzt werden (vgl. Kolbe 2005). Mit dem Community-Policing geht die Gefahr einher, dass alles "Fremde" als Gefahr oder →Bedrohung klassifiziert wird. Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Bürger und Bürgerinnen mitwirken können. So wird kritisiert, dass Minderheiten und Randgruppen nicht eingebunden werden (vgl. Kolbe 2005). Dieser kriminalpräventive Ansatz mag zwar das Sicherheitsgefühl stärken, ob es die Sicherheit auch objektiv erhöht, bleibt aber fraglich (vgl. Ooyen 2006: 47). Gleichzeitig schränkt es zudem die Freiheit der Bürger und Bürgerinnen ein (vgl. Kolbe 2005). Ein Gewinn des Community-Policing ist die Stärkung des subjektiven →Sicherheitsempfindens, da es die Kommunikation zwischen Bürger und Bürgerinnen sowie Polizei stärkt und die Präsenz der Polizei vor Ort fördert. Ein weiterer Vorteil ist es, dass lokalspezifische Lösungen erarbeitet werden (vgl. Kolbe 2005, NMSFFG 2005, Ooyen 2006).

Crime Prevention Through Environmental Design (CPTED)

Der Ansatz des "Crime Prevention Through Environmental Design" (kriminalpräventive Siedlungsgestaltung) stammt aus dem angloamerikanischen Raum und geht auf den Architekten C. Ray Jeffrey (1971) zurück. Ihm zufolge kann →Kriminalität vorbeugend durch architektonische, freiraumplanerische und städtebauliche Gestaltung verhindert werden. Zentral ist dabei die situative →Kriminalprävention (vgl. Clarke 2009). Durch Siedlungsgestaltung sollen die soziale →Kontrolle durch die Bewohner und Bewohnerinnen verstärkt und eine Einsehbarkeit und Belebung der (halb)öffentlichen Räume erreicht werden, was dazu führen soll, Fremde schnell zu identifizieren (→Überwachung, natürliche). Außerdem setzt der Ansatz auf eine homogene Bewohnerstruktur und eine, durch Aufwertung erreichte, Identifikation mit der Nachbarschaft (vgl. Zinganel 2010). Die Verräumlichung der Kriminalprävention wird allerdings auch wegen ihrer vereinfachten kausalen Verbindung von Raum und abweichendem →Verhalten und wegen der Betonung baulich-räumlicher gegenüber sozialen Lösungen deutlich kritisiert (vgl. Belina 2006; Schreiber 2011). 2003 erfolgte aufbauend auf dem Ansatz des "Crime Prevention Through Environmental Design" ein europäischer Normierungsversuch (DIN EN 14383‑2 Vorbeugende Kriminalitätsbekämpfung – Stadt- und Gebäudeplanung), welcher allerdings von einigen europäischen Ländern abgelehnt wurde (vgl. Stummvoll 2007). Kritisiert wurden vor allem gleichmachende Aspekte, die die Divergenz unterschiedlicher Räume missachteten, stattdessen wurden nationalstaatliche Lösungen bevorzugt. In Folge des gescheiterten Normierungsversuches wurde 2007 ein "Technical Report" (CEN/TR 14383-2) mit guten Beispielen für die Praxis veröffentlicht, um Erfahrungen auszutauschen und Verfahrensweisen zu harmonisieren (vgl. LKA NI 2012). In Deutschland fanden sicherheitsrelevante Kriterien Einzug in die Stadtplanung auch über die kommunalen Gleichstellungsstellen. Bereits 1990 wurde eine Broschüre zu Angsträumen in Dortmund herausgegeben (Stadt Dortmund 1990). Auf dem Ansatz aufbauend wurden städtebauliche Handlungsempfehlungen für verschiedene Akteure und Akteurinnen erarbeitet (z.B. NMSFFG 2005). Im transit-Projekt werden keine Normierungsversuche unternommen, sondern kleinräumige Lösungen angestrebt, die in die lokalen →Sicherheitskulturen eingebettet sind.