Umfeld

Bahnhofsumfeld gezielt beleben und aufwerten

Das nähere Bahnhofsumfeld ist oft traditioneller Sammelpunkt eher wenig akzeptierter Nutzergruppen. Die Anonymität schafft die gewünschte Unauffälligkeit. Versorgungsmöglichkeiten, Toiletten, Sitzplätze und oft auch Hilfeeinrichtungen generieren einen eigenen Lebensraum, der auch Möglichkeiten des sozialen Austauschs schafft. Nahverkehrssysteme stellen in Innenstädten zudem bevorzugte Drogenumschlagsplätze dar. Ausschlaggebend dafür sind vor allem die gute Erreichbarkeit, Wetterunabhängigkeit und das Vorhandensein geeigneter, schwer einsehbarer Treffpunkte auf unbesetzten Stationen. Bahnhofsvorplätze, aber auch umliegende Grünanlagen, Friedhöfe oder Wohnhäuser dienen in diesem Kontext sowohl als Orte schnellen Konsums wie auch als Drogenbunker.

Durch gestalterische Maßnahmen und gezielte Belebung und Aufwertung kann eine ungewollte oder einseitige Nutzung verhindert werden. Dabei gilt der Grundsatz, dass eine starke Inanspruchnahme durch erwünschte Nutzergruppen über möglichst weite Bereiche des Tages den besten Schutz darstellt. Dafür empfiehlt sich die Entwicklung von einem Transitort zu einem Ort mit eigener, von der Verkehrsfunktion unabhängigen Aufenthaltsqualität und Identität.

Die Gefahren aus der Drogen- und der im Bahnhofsumfeld ebenfalls oft anzutreffenden Prostitutionsszene inklusive ihrer Begleitkriminalität (z. B. Diebstähle, Einbrüche) erfordern gezielte und unter den Verantwortlichen und Anliegern im Netzwerk abgestimmte Maßnahmen, welche den Drogenhandel, den Drogenkonsum und die Prostitution mit ihren Begleiterscheinungen verhindern bzw. einschränken. Die erforderlichen Schritte umfassen die Zonierung und Nutzungszuweisung in den öffentlichen Bereichen, die bewusste Belegung mit attraktiven und hochwertigen Nutzungen, die konsequente Reinigung und Pflege insbesondere auch vorhandener Grünflächen sowie den zuverlässigen Verschluss privater Räume (z. B. Haus- und Kellereingänge von Wohnanlagen im Umfeld). Der Fokus ist bei der Gestaltung entsprechend auf Funktionalität, Dauerhaftigkeit, Vandalismusresistenz und Pflegeleichtigkeit zu legen; Verwahrlosungstendenzen muss schnell und bereits im Ansatz begegnet werden. Dichte Gehölzrabatten, Nischen und Winkel jeder Art, ungenutzte Räume, uneinsehbare Bereiche, Hochbeete und die Sicht behindernd angeordnete Objekte im Bahnhofsumfeld sollten grundsätzlich vermieden werden.

Besonders wichtig sind die zuletzt genannten Aspekte auch bei Haltestellen im ländlichen Raum mit oft geringer Verkehrsmittelfrequenz.  

 

Exemplarische Leitfragen:

  • Sind die Zuständigkeiten für die jeweiligen Flächen bekannt?
  • Gibt es eine bewusste Nutzerausrichtung?
  • Gibt es ein Pflege- und Reinigungskonzept?
  • Gibt es ein Wegeleitsystem und ausreichend Flucht- / Rettungswege?