Szene

Genau hinschauen lohnt sich

Noch immer findet der jugendkulturell geprägte Rechtsextremismus in der Presse die größte Resonanz. Dem Bild des glatzköpfigen jungen Mannes mit Bomberjacke und Springerstiefeln begegnet man in der Realität dabei immer seltener. Denn erstens gibt es Skinheads mit anderen politischen Orientierungen (neutral bis hin zu linksextrem), zweitens sind auch in anderen Jugendkulturen rechtsextremistische Tendenzen zu verzeichnen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang insbesondere die Gothic- und die Black-Metal-Szene - ja selbst im Hip-Hop- und Techno-Bereich wurde bereits Einschlägiges beobachtet. Dies geschieht zum Teil durch das gezielte Unterwandern der ursprünglich unpolitischen Subkulturen und anderer Jugendszenen durch Rechtsextremisten.

Ebenso gibt es seitens der Rechtsextremisten Bestrebungen, in gewaltbereiten Fangruppen der Fußballszene Einfluss zu gewinnen. Die rechtsextremistische Szene organisiert örtlich auch spezielle Erlebnisangebote für Jugendliche, wie Konzerte, Sonnwendfeiern, jährliche Gedenktage etc. Diese und andere Gemeinschaftsveranstaltungen zielen auf das Bedürfnis der Jugendlichen nach Zusammenhalt, Gemeinschaftsgefühl und Anerkennung. Rechtsextreme Ideologien stehen dabei zunächst noch im Hintergrund.

 

Rechtsextremistische Subkulturen unterliegen einer starken Fluktuation.

Es gibt in der Regel weder feste Organisationsstrukturen noch formelle Mitgliedschaften. Bevorzugt werden lockere Zusammenschlüsse auf regionaler Ebene möglicherweise auch deshalb, um vereinsrechtlichen Verboten entgegenzuwirken. Ein weiteres Phänomen sind die so genannten „Autonomen Nationalisten (AN)“, die „linken“ Autonomen bei oberflächlicher Betrachtung stark ähneln und derzeit wohl das aggressivste Gewaltpotenzial innerhalb der rechten Szene aufweisen. Wenngleich sich die Autonomen Nationalisten mit ihrem modernen Lifestyle deutlich von „Altnazis“ abgrenzen, so beziehen sie sich in ihrer Weltanschauung ausdrücklich auf die Ideologien des Nationalsozialismus im Dritten Reich. Jugendkulturelle Selbstinszenierungen verlieren dabei immer mehr an Aussagekraft, denn die Zeichen und Codes sind oft nur noch Insidern bekannt. In dem unauffälligeren Äußeren sehen die Szene-Anhänger einerseits den Vorteil, sich auch in bislang unerschlossenen Jugendkulturen zu etablieren, andererseits Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner und Polizeikontrollen zu entgehen. Eine rechtsextremistische Gesinnung ist somit nicht mehr unbedingt auf den ersten Blick zu erkennen.

Besonders wichtig aber ist: Gerade von Gruppen, die kaum an organisierte Formen gebunden sind, geht in Sachen Gewalt die größte Gefahr aus. Genau hinzuschauen lohnt sich hier also besonders.

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