Musik

Nachwuchs ködern

Musik ist oft Definitionsgrundlage für eine bestimmte Jugendkultur. Bei der Skinhead-Jugendkultur ist eine Definition allerdings schwieriger, da sich seit Ende der 1960er Jahre verschiedene Strömungen herausgebildet haben. Den Anfang der Skinhead-Musik bildet SKA, dem Reggae nicht unähnlich und mit einer Betonung der Blechbläser. Diese Musik steht für die unpolitischen und multikulturellen Wurzeln der Skinhead-Bewegung. Ende der 1970er Jahre kam ein neuer Trend hinzu, der später unter der Bezeichnung „RAC“ („Rock Against Communism; Rock gegen Kommunismus“) bekannt wurde (bzw. „Rechtsrock“ oder „White Noise“). Musikalisch dem Punk verwandt, aber mit tieferem, martialisch klingendem Gesang, steht diese Entwicklung für die Absicht von Ian Stuart Donaldson und seiner Band „Skrewdriver“, eine rechtsextremistische Gegenbewegung zu den als links geltenden Punks zu etablieren.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich neue Stile, die sich anderer musikalischer Traditionen bedienten. So wurden insbesondere aus dem Hardcore-Bereich Merkmale übernommen und mit extremistischen Texten kombiniert. Aber auch andere musikalische Genres und die dazugehörigen Jugendkulturen werden mittlerweile durch Rechtsextremisten genutzt. So gibt es in der rechtsextremistischen Musikszene - entsprechend der verschiedenen "rechten" Subkulturen - ein breites Spektrum an Stilrichtungen: Skinhead-Musik, NS-Black Metal, NS-Hatecore, Neofolk, NS-HipHop, NS-Techno, Liedermacher. Rechtsextremistische Musik ist somit nicht homogen. Hauptströmungen sind vor allem die Musik von rechtsextremistischen Skinhead-Bands und Liedermachern. Neben rassistischen, ausländerfeindlichen, antisemitischen und nationalistischen Inhalten werden auch vermehrt soziale Missstände und der Kampf gegen das bestehende politische System thematisiert.

Musik allein ist nicht das Eintrittstor in die rechtsextremistische Szene. Dennoch ist rechtsextremistische Musik als Trägermedium rechtsextremistischen Gedankenguts von großer Bedeutung um Nachwuchs zu ködern und die Ideologie zu festigen. Vor allem die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) bzw. ihre Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) und Angehörige der Neonazi-Szene versuchten in der Vergangenheit immer wieder, durch Verteilaktionen von so genannten „Schulhof-CDs“ an Schulen und Jugendeinrichtungen gezielt Nachwuchs zu gewinnen.

Beim Vertrieb von rechtsextremistischer Musik spielt das Internet eine bedeutende Rolle. In einschlägigen Internetshops, die sich von Aufmachung und Bedienbarkeit nicht von anderen kommerziellen Internetshops unterscheiden, werden eine Vielzahl von Tonträgern, aber auch direkte Musikdownloads angeboten. In Deutschland registrierte Anbieter handeln dabei in der Regel mit nicht strafrechtlich relevanten Musikinhalten. Strafrechtlich relevante oder indizierte Tonträger, die sich in Deutschland nicht auf gewöhnlichen Vertriebswegen absetzen lassen, werden gezielt „unter der Hand“ oder auch im Internet über das Ausland angeboten und bestellt. Dabei gilt das Verbot eines Textes oder gar einer ganzen CD oft als „Gütesiegel“.

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