Internet

Im Netz aktiv

Das Internet hat für die rechtsextremistische Szene herausragenden Stellenwert. Die Zahl der von deutschen Rechtsextremisten betriebenen Homepages bewegt sich mit etwa 1.000 Seiten seit Jahren auf konstant hohem Niveau. Inzwischen sind alle wesentlichen rechtsextremistischen Organisationen und Kameradschaften mit eigenen Webseiten im Internet vertreten. Auch Parteien wie die NPD haben den Stellenwert eines Internetauftrittes erkannt und betreiben technisch hochwertige Homepages.

Rechtsextremisten nutzen zunehmend die interaktiven Möglichkeiten des Web 2.0, indem sie ihr Gedankengut über grundsätzlich unpolitische Plattformen wie Facebook oder YouTube verbreiten. Nach und nach gewinnen aber auch szeneinterne Foren und Netzwerke an Bedeutung. Dem allgemeinen Trend folgend, nutzen Rechtsextremisten auch das Potenzial des Kurznachrichtendienstes Twitter und informieren so z.B. über aktuelle Demonstrationen und Veranstaltungen. Insbesondere in Chatforen führen Rechtsextremisten oft herabwürdigende Auseinandersetzungen mit ihren „politischen Gegnern“. Sie stellen Kommunalpolitiker, „linke“ Aktivisten und Polizisten an den Pranger, um sie einzuschüchtern. Teilweise veröffentlichen sie „Schwarze Listen“ von Gegnern mit Personenbeschreibungen, Adressen und Bildern.

Die Bandbreite rechtsextremistischer Propaganda im Internet ist groß. Bei manchen Webauftritten werden unverhohlen strafbare Inhalte verbreitet, bei anderen allerdings ist der rechtsextremistische Hintergrund nicht auf Anhieb erkennbar: Sie tarnen sich seriös als Aktionsbündnis oder Bürgerinitiative, um auf diese Weise ihr Gedankengut zu verbreiten, oder greifen gesellschaftlich bedeutende Themen wie Umweltschutz oder Arbeitslosigkeit auf.

Darüber hinaus bedienen rechtsextremistische Online-Shops die starke Nachfrage nach entsprechenden Tonträgern, Kleidung, Druckerzeugnissen, Schmuck und ähnlichem. Die Internetpräsenz der Szenevertriebe ist auf dem aktuellen technischen Stand und unterscheidet sich kaum noch vom Online-Angebot kommerzieller Versandhäuser.

Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Szene-Internetradios, in denen Rechtextremisten als Administratoren und Moderatoren rund um die Uhr eigene Kommentare und Musiktitel deutscher und internationaler Skinhead-Bands verbreiten. Die Homepages bieten häufig noch weitere Angebote wie Chats und Diskussionsforen, die jedoch meist anmeldepflichtig sind. Das Programmangebot besteht überwiegend aus rechtsextremistischer Musik. Gelegentlich werden auch indizierte bzw. strafbare Titel gespielt. Als Wortbeiträge werden Anmoderationen für Musiktitel, Interviews mit Rechtsextremisten (z.B. Bandmitgliedern), Kommentare oder Kritiken zu CDs sowie gelegentlich Werbung für Konzerte, Demonstrationen, Vertriebe und CDs gesendet.

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