Tipps für Pädagogen

Hilfen für die Praxis

  1. Es existiert kein abgeschlossener Wissensbestand zum Hineinwachsen in "linke Szenen" – es zählt der Einzelfall!
    Die Kritik an den Lösungen der Eltern ist ein Privileg der nachfolgenden Generation. Wie die Prozesse des Übergangs von der Kritik zu extremistischen Haltungen und Meinungen ablaufen, wird wissenschaftlich kontrovers diskutiert. Für pädagogische Praktiker bedeutet dies, vor allem den Einzelfall zu betrachten und weniger Gruppen zu bewerten.

  2. Es lassen sich Schemata der Annäherung an linksextreme Einstellungsmuster angeben, die auf mehreren Ebenen stattfinden.
    Noch bevor sich kognitive Muster und Haltungen abzeichnen, findet bei Jugendlichen eine Affinisierung zu extremen Positionen statt, die auf Emotionen und Gewohnheiten basiert. Erst mit der Konsolidierung einer Haltung werden Einstellungsfragmente sichtbar. Spätestens hier sollte interveniert werden, um eine weitere Fundamentalisierung zu verhindern. Doch auch danach kann es Chancen geben, einen möglicherweise reifenden Distanzierungswunsch zu unterstützen.

  3. Bei der Betrachtung des einzelnen Jugendlichen sollten Risiko- und Schutzfaktoren berücksichtigt werden.
    Neben den offen sichtbaren Zeichen wie Kleidung sind insbesondere Präferenzen für eine kulturelle Selbstverortung, wie die Musikpräferenz von Interesse. Insbesondere das Auftreten als Einzelperson oder in Gruppenkontexten und die Konfrontation mit „Gegnern“ sollte beachtet werden. Eine zentrale Rolle spielen aber Schutzfaktoren, die unterstützt und gefördert werden können und in der Lage sind, Risikokonstellationen auszugleichen.

  4. Setzen Sie sich dafür ein, dass in ihrem Einflussbereich Erprobungsfelder politischer Mitbestimmung für Jugendliche geschaffen werden.
    Wesentliche Faktoren in der Prävention gegen (Links-)Extremismus bauen auf der Teilhabe und Verantwortungsübernahme in gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen, sozialen Kompetenzen und kommunikativer Konfliktlösung auf. Hierfür gibt es kein idealeres Lernfeld als die Settings, in denen sich Jugendliche alltäglich befinden.

  5. Politische Bildung basiert auf guten Argumenten und dem Aufgreifen von Interessen der Zielgruppe. Pädagogische Überwältigung funktioniert nicht!
    Die Förderung einer mündigen Persönlichkeit kommt ohne Taschenspielertricks und Überrumpelung aus, sondern stellt in Wissenschaft und Politik widersprüchlich behandelte Themen auch als kontroverse dar. Wenn Jugendliche in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und ihre eigene Interessenlage zu analysieren, wird eine Zuwendung zu demokratischen Handlungsweisen sehr wahrscheinlich.

  6. Für politische Ziele eingesetzte Gewalt markiert eine Grenze, nach der spätestens (auch) pädagogisch interveniert werden muss!
    Da die hinter der Gewalt liegenden Problemstellungen oft komplex sind, erscheint es sinnvoll, sich mit den Eltern, aber auch mit anderen pädagogischen Fachkräften abzustimmen, um zu einer umfassenden Beurteilung der Situation zu kommen. Wenn die Probleme hinreichend geklärt sind, kann jeder Beteiligte mit seinen Möglichkeiten zu einer koordinierten Reaktion beitragen.

  7. Jugendlicher Protest ist häufig überschäumend und ungestüm. Relevanter als die einzelne Grenzverletzung ist die Tendenz der Entwicklung.
    Junge Menschen schießen gelegentlich über das Ziel hinaus, was nicht als Zeichen einer Fehlentwicklung überbewertet werden muss. Es ist aber die Gelegenheit, Grenzen aufzuzeigen und zu verdeutlichen. Wenn sich im Anschluss eine Einsicht in das Fehlverhalten einstellt, die Chance einer Wiedergutmachung genutzt und Reue gezeigt wird, kann auch eine Grenzüberschreitung eine Lernchance sein.

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