Tipps für Eltern

Seien Sie aufmerksam

  1. Seien Sie aufmerksam, wenn Ihr Kind einen „einseitigen“ Geschmack entwickelt, der in Verbindung mit einer politischen Ausrichtung steht!
    Meist folgen modische Phasen der Kleidung oder des Musikgeschmacks aktuellen Trends und gehen ohne Intervention in andere Phasen über. Wenn sich aber eine politisch bedenkliche Verfestigung abzeichnet, sollten Sie das Gespräch über Zeichen und Symbole suchen, bzw. sich für die Texte der Musik ihres Kindes interessieren. Das Interesse an Hintergründen kann eine Basis für Gespräche über die Inhalte sein.

  2. Achten Sie auf die Informationsquellen, aus denen Ihr Kind schöpft. Bei länger anhaltenden Einseitigkeiten sollten Sie sich einbringen!
    In der „linken Szene“ werden oftmals positive Positionen umdefiniert. Versuchen Sie, mit Ihrem Kind eine Diskussion über die Grundlagen der Positionen einzugehen. Nutzen Sie dazu auch Fachartikel oder (wissenschaftliche) Literatur. Versuchen Sie, das Interesse Ihres Kindes an den positiven Idealen zu nutzen, um auch vor Einseitigkeiten und Verdrehungen zu warnen (z.B. das Ideal „Gleichheit“ der Französischen Revolution und dessen Auslegung bis hin zum Stalinismus).

  3. Seien Sie aufmerksam, wenn sich Meinungen Ihres Kindes zu Parolen verhärten. In der Kürze liegt die Würze, aber auch die Verkürzung und Polarisierung.
    Es ist begrüßenswert, wenn sich Ihr Kind beispielsweise gegen Rechtsextremismus engagiert. Wenn aber „die Anderen“ in einer „Freund-Feind-Logik“  reduziert, zu „Gegnern“ abgewertet und handfest bekämpft werden, ist der Bogen überspannt. Es besteht das Grundrecht auf Meinungsfreiheit, das auch, innerhalb des gesetzlich definierten Rahmens, für Andersdenkende gelten muss.

  4. Werben Sie bei Ihrem Kind für die Möglichkeiten der legalen Meinungsäußerung. Friedlicher Protest ist zudem sympathischer und durchsetzungsfähiger als Gewalt.
    Die Geschichte der Erkämpfung der verfassten, bürgerlichen Rechte (Grundgesetz, Allgemeine Menschenrechte) rechnet in langen Zeiteinheiten. Wer etwas nachhaltig bewegen will, braucht einen langen Atem. Die oft gewaltsam durchgesetzten schnellen Siege waren langfristig betrachtet meist Niederlagen, da sie eher die Reaktion beflügelten, als die eigene Sache transportierten.

  5. Gewalt darf kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein! Langfristig betrachtet führen nur positive Mittel zur Durchsetzung positiver Ziele.
    Gewalt ist ein gefährliches Spiel mit eigenen Regeln. Was Gewalt ist, wird vom Opfer definiert. Gewalt eskaliert Konflikte und verlangt nach Rache und letztlich Vernichtung des Gegners. Ist diese Eskalationsspirale in Gang gesetzt, ist sie schwer zu stoppen. Wirkungsvoller Protest ist kreativ und verzichtet auf Gewalt.

  6. Wenn Sie Tendenzen der Radikalisierung und Fundamentalisierung bei Ihrem Kind feststellen, holen Sie sich Rat und Unterstützung!
    Wenn die Fronten zwischen Jugendlichen und Eltern verhärtet sind, sind Lösungen „aus eigener Kraft“ oft unwahrscheinlich. Es gibt ein breites Netz von Jugendberatungsstellen unterschiedlichster Träger, aber auch die Erziehungsberatung der Jugendämter. Sich bei großen Schwierigkeiten Hilfe zu holen, bedeutet nicht gescheitert zu sein, sondern souverän mit dieser Herausforderung umzugehen.

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