Methode

Geldwäscher missbrauchen ahnungslose Bürger

Geldwäscher missbrauchen nicht nur Wirtschaftsunternehmen, wie zum Beispiel Banken, Finanzunternehmen oder Händler für ihre Zwecke. Immer häufiger werden auch Privatpersonen zu ihren Opfern.

 

Warnung vor Finanzagenten-Anzeigen

Zur Vorsicht rät die Polizei beispielsweise bei Stellenanzeigen und Nebenverdienstangeboten unbekannter Geschäftsleute in Zeitungen oder Werbemails, die ahnungslose Bürgerinnen und Bürger als so genannte Finanzagenten suchen. Diese Finanzagenten sollen gegen eine Provision ihre privaten Bankkonten für Geldtransfers zur Verfügung stellen, das heißt Zahlungen entgegen nehmen und an unbekannte Dritte weiterleiten.

Das Problem: Auf diese Weise beteiligen sich die Finanzagenten - ohne es zu ahnen - möglicherweise an einem Geldwäschetransfer. Dabei können sie nicht nur Geld verlieren, sondern selbst ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten und sogar verurteilt werden.

Allein in den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der Anzeigen gegen Finanzagenten sprunghaft in die Höhe geschnellt. Während 2008 die Zahl der Verdachtsanzeigen zu Finanzagenten noch 971 Meldungen umfasste, stieg sie 2009 auf 2.394 und 2010 auf 3.086 Meldungen.

 

Achtung bei Phishing-Attacken

Opfer von Phishing-Attacken können ebenfalls von Geldwäschern missbraucht werden. Bei diesen Attacken schicken Betrüger privaten Internetnutzern z. B. per E-Mail einen Link, der sie auf eine zumeist täuschend echt aussehende, aber gefälschte Internetseite ihrer Bank leitet. Dort werden sie unter Vorwand dazu aufgefordert, die eigenen Kontodaten und Passwörter einzugeben. Sobald die Betrüger im Besitz dieser Daten sind, können sie auf die Konten der User zugreifen, Gelder überweisen, ab- oder umbuchen und somit auch illegal erwirtschaftetes Geld waschen.

 

Vorsicht bei Immobilien-Vermietung und Grundstücksverkäufen

Auch Bürgerinnen und Bürger, die eine Immobilie neu vermieten wollen und hierfür vom Mieter eine Kaution verlangen, können in die Fänge von Geldwäschern geraten. Immer wieder werden Wohnungen angemietet, die geforderte Kaution bezahlt, die Immobilie jedoch nach kurzer Zeit wieder gekündigt. Falls der Vermieter dann dazu aufgefordert wird, die Mietkaution auf ein ausländisches Konto zu überweisen, sollte er vorsichtig sein, denn eine solche Transaktion könnte der Geldwäsche dienen.

Achtsamkeit ist auch beim Kauf oder Verkauf von Grundstücken geboten. So gibt es Grundstückskäufer, die in den notariellen Kaufvertrag einen niedrigeren Kaufpreis eintragen wollen, als tatsächlich vereinbart. Den Differenzbetrag soll der Verkäufer „bar auf die Hand“ erhalten. Meist will sich der Käufer mit einem solchen Vorgehen Notargebühren und Grunderwerbsteuer „sparen“. Verkäufer sollten allerdings bedenken, dass sie bei einem solchen Vorgehen wegen Steuerhinterziehung belangt werden können und sich unter Umständen auch wegen Geldwäsche strafbar machen. Wer Haus oder Grundstück über einen Immobilienmakler kauft oder veräußert, muss sich ausweisen. Denn nach dem Geldwäschegesetz sind Makler dazu verpflichtet, die Identität von Käufer und Verkäufer mittels Ausweis festzustellen – und zwar unabhängig von der notariellen Beurkundung.

 

Verkauf hochwertiger Güter durch Privatpersonen lockt Geldwäscher an

Generell vorsichtig sein, sollten Privatpersonen, die hochwertige Güter veräußern wollen, zum Beispiel Luxusuhren, Schmuckstücke, Kunstgegenstände, Antiquitäten, Reitpferde oder Oldtimer. Auch hier können undurchsichtige Interessenten auftreten, die versuchen, illegal erlangte Gelder zu waschen, denn hier werden häufig hohe Bargeldsummen bewegt.

Hinzu kommt, dass gewerbliche Verkäufer nach dem Geldwäschegesetz dazu verpflichtet sind, die Identität ihrer Kunden festzustellen, wenn sie Bargeld in Höhe von mehr als 15.000 Euro annehmen. Das könnte Geldwäscher dazu verleiten, auf private Anbieter auszuweichen, da sie sich bei diesen nicht legitimieren müssen.

Vorsicht ist auch beim Verkauf über das Internet geboten. Die Möglichkeit, dank der vielen Verkaufs- und Auktionsplattformen online schnell und leicht Kaufinteressenten zu finden – und das weltweit – lockt auch Geldwäscher an.

Sollte sich nach einem Verkauf herausstellen, dass der Käufer die Waren erworben hat, um Geld zu waschen, kann dies sogar dazu führen, dass die Polizei den Erlös beim Verkäufer sicherstellt.

 

Privatpersonen als Gewerbetreibende müssen Geldwäschegesetz beachten

Privatpersonen, die nicht nur gelegentlich Gegenstände aus ihrem Privatbesitz verkaufen, sondern gezielt Waren einkaufen oder herstellen, um diese weiter zu verkaufen, müssen unter Umständen ein Gewerbe anmelden. Als gewerbliche Verkäufer müssen sie das Geldwäschegesetz beachten. Dies betrifft beispielsweise Verkaufsagenten oder so genannte Powerseller, die Auktions- und Verkaufsplattformen nutzen, oder einen Internet-Shop betreiben. Wo sie ihr Gewerbe anmelden können, erfahren Betroffene bei ihrer Kommune.

 

Verbraucher müssen sich bei größeren Bargeldanzahlungen ausweisen

Bezahlen Verbraucher bei größeren Anschaffungen hohe Summen mit Bargeld, beispielsweise beim Autohändler oder Juwelier, können sie ebenfalls in Kontakt mit dem Geldwäschegesetz kommen: Denn bei größeren Bargeldzahlungen müssen sie sich mit Personalausweis oder Reisepass ausweisen, das schreibt das Geldwäschegesetz vor. Hält der Händler diese Vorschrift nicht ein, kann es zu einem Bußgeld- oder Strafverfahren gegen ihn kommen. Akzeptiert ein Händler eine größere Bargeldbezahlung ohne Ausweisvorlage, setzt sich ein Käufer unter Umständen einer Strafverfolgung wegen Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung aus. 

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