So werben Betrüger Opfer an

Finanzagenten: Anwerbemaschen

Wie werben die Betrüger ihre Opfer an?

Durch die Medienberichterstattung, die Warnhinweise von Polizei und Banken sowie die mittlerweile erfolgten Verurteilungen von Finanzagenten haben die Kriminellen Schwierigkeiten, eine angemessene Anzahl von Finanzagenten zu rekrutieren.

Daher greifen die Täter ständig zu neuen Methoden. Die Finanztransaktionen verlaufen dabei fast immer nach dem gleichen Grundmuster, allerdings variieren die Legenden zu ihrer Begründung:

 

Angeblich irrtümlich auf Privatkonten überwiesene Beträge

Die Kriminellen überweisen Geldbeträge, die sie ergaunert haben, an einen Kontoinhaber, der dadurch ohne sein Wissen in die illegalen Machenschaften eingebunden wird. Dieser Betrag wird von den Tätern unter einem Vorwand (z.B. Geld wurde irrtümlich auf falsches Konto überwiesen, sei aber für einen Freund im Ausland bestimmt) zurückgefordert, wobei der als Finanzagent missbrauchte Kontoinhaber für die entstandenen Unannehmlichkeiten einen Teil des Geldes behalten darf. Die Rücküberweisung soll allerdings nicht auf das Ursprungskonto gehen, sondern auf ein anderes Konto, oftmals im Ausland, transferiert werden. Dort verliert sich die Spur.

 

Vortäuschen eines Arbeitsverhältnisses

Eine Firma sucht per Internetauftritt „Repräsentanten und Manager“ für „Zahlungsbearbeitung“ und/oder „Warenverkehr“. Interessenten werden gebeten, sich per E-Mail zu bewerben. Dem Bewerber wird nach einigen Tagen ein Arbeitsvertrag zugeschickt, der dem Betrug einen offiziellen Anschein geben soll und der sogar noch bestätigt, dass das Konto nur für seriöse und legale Geschäfte genutzt wird. Nachdem der Bewerber als neuer „Arbeitnehmer“ unterschrieben hat, gehen auf seinem Privatkonto Gelder von angeblichen Kunden der Firma ein. Diese Geldbeträge soll der „Arbeitnehmer“ auf Konten im Ausland weiter transferieren.

Eine Variante besteht darin, dass der „Arbeitnehmer“ von den eingegangenen Geldbeträgen an entsprechenden Verkaufsstellen so genannte „Vouchers“ kaufen soll. Dabei handelt es sich um PIN-Codes, die als elektronische Zahlungsmittel im Internet genutzt bzw. wieder in Geld rückgetauscht werden können. Diese PINs soll der „Arbeitnehmer“ an die E-Mail-Adresse seines „Arbeitgebers“ weiterleiten.

 

Kontoeröffnung durch Finanzagenten für angeblichen Internetversandhandel

Getarnt als Nebenjob, auf den man sich aufgrund einer Internetstellenanzeige bewerben konnte, sollen Interessenten ein Konto eröffnen. Dann müssen sie nichts weiter tun als die Kontodaten an die Nebenjobfirma weiterleiten und eingehende Gelder weiter transferieren. Diese Konten der als Finanzagenten angeworbenen Personen werden als Empfängerkonten für betrügerische Online-Shops angegeben, die auf Internetseiten mit „unschlagbar günstigen Preisen“ für hochwertige Elektronikgeräte wie z.B. i-Pods oder Spielkonsolen werben. Der Finanzagent wird als Strohmann genutzt. Die eingehenden Geldbeträge werden (nach Abzug einer „Provision“ in Höhe von fünf bis zehn Prozent) auf ein ausländisches Konto weiter überwiesen.

 

Vortäuschung von Partnersuche

Auf Dating-Seiten im Internet suchen die Betrüger nach Opfern, die für sie Geldbeträge über das eigene Konto weiterleiten sollen. Ist ein vertrauensvoller Kontakt hergestellt, bitten die Betrüger das Opfer, sein Konto aus verschiedenen Gründen (z.B. weil sämtliche Papiere und Kontounterlagen gestohlen wurden) für eine Transaktion zur Verfügung zu stellen bzw. eingehende Geldbeträge weiter zu überweisen. So werden Kontoinhaber unwissentlich als Finanzagenten missbraucht, z.B. zur Zahlung von Flugkosten, zur Lösung einer Notlage in der Familie etc. Tatsächlich stammen die Beträge aus kriminellen Handlungen und sollen auf diese Weise „gewaschen“ werden.

 

„Warenagenten“

Personen werden über das Internet geworben, ihr Konto für die Überweisung von Geldbeträgen zur Verfügung zu stellen, mit denen sie hochwertige Waren (z.B. TV, Computer, Handys) kaufen und an bestimmte Adressen, die ihnen mitgeteilt werden, gegen Provision weiter verschicken sollen. Bei den überwiesenen Beträgen handelt es sich allerdings um Gelder aus kriminellen Taten.

 

Persönliche Kontaktaufnahme

Während bei den bisher geschilderten Anwerbungspraktiken die Kommunikation zwischen Anbieter und Kunde per E-Mail erfolgte, gehen die Täter mittlerweile auch dazu über, Finanzagenten persönlich zu kontaktieren. Personen werden auf der Straße oder in öffentlichen Einrichtungen angesprochen und ihnen wird ein Problem im Zusammenhang mit einer Überweisung ins Ausland geschildert. Der Angesprochene wird dann gebeten, eine Überweisung (von inkriminierten Geldern) gegen eine Belohnung in Form eines Geldbetrags zu veranlassen.

Insbesondere Personen mit Migrationshintergrund werden von Landsleuten angesprochen und gebeten, ihr Konto für den Transfer von Geldern - z.B. für einen kranken Verwandten im Ausland - zur Verfügung zu stellen. Die Korrespondenz findet oft in der Muttersprache statt, wobei stets betont wird, dass man sich „unter Landsleuten“ helfe.

Medien zum Thema

Scamming - Betrug mit Vorauszahlungen
Informationsblatt, 2 Seiten, A4

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