Zivilcourage darf kein Fremdwort sein
Medienpaket sensibilisiert Kinder und Jugendliche dafür, vor Straftaten nicht die Augen zu verschließen
Stuttgart - Es kann jederzeit, überall und auch am helllichten Tag passieren. Ein Mensch wird belästigt, bedroht, beraubt oder tätlich angegriffen - auf offener Straße, in öffentlichen Ver-kehrsmitteln, auf öffentlichen Plätzen und somit vor den Augen von Zeugen. Immer häufiger sind in solche Gewaltvorfälle junge Menschen verwickelt - ob als Opfer, Täter oder Zeuge. Gerade deshalb hat sich die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes mit ihrem neuen Medienpakt "Weggeschaut ist mitgemacht" das Ziel gesetzt, bei Kindern und Jugendlichen eine Kultur des Hinschauens und Helfens zu fördern.
"Die Zivilcourage jedes Einzelnen, das Flagge-Zeigen gegen Gewalt und Diskriminierung ist für ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft unabdingbar und von unschätzbarer Bedeutung. Zivilcourage darf nicht länger ein Fremdwort sein. Unser Weg muss von einer Kultur des Wegschauens und der Gleichgültigkeit hin zu einer Kultur des couragierten Eingreifens, der Hilfsbereitschaft und der An-teilnahme am Schicksal der Mitmenschen führen", sagt Dr. Wolf Hammann, der Vorsitzende der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes und Landespolizeipräsident von Baden-Württemberg.
Getreu dem Sprichwort "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr" ist es der Polizei ein großes Anliegen, bereits junge Menschen für das Thema "Zivilcourage" zu sensibilisieren. Ihnen sollen Alternativen zum "Nichthandeln" aufgezeigt und zugleich vor Augen geführt werden, dass eine Gesellschaft vom Engagement und nicht vom Wegsehen lebt.
Das neue Medienpaket "Weggeschaut ist mitgemacht" wurde für die Arbeit im Unterricht an weiterführenden Schulen entwickelt und in einer Auflagenhöhe von 40.000 Stück produziert. Es besteht aus einem Film sowie einem Begleitheft und richtet sich an Kinder ab zehn Jahren und Jugendliche. Die einzelnen Episoden befassen sich mit den Themen Alkohol/Gewalt, Drogendeal, Handyraub und Ladendiebstahl, wobei die Zielgruppe mit den Konsequenzen der Tat für Opfer und Täter konfrontiert wird. Die Zuschauer werden in eine Situation eingeführt, in der ein junger Mensch zum Zeugen einer Straftat wird und die eine Entscheidung erfordert.
"Ziel ist es, jungen Menschen nahezubringen, in alltäglichen Grenzsituationen nicht die Augen zu verschließen, sondern entsprechend ihren Möglichkeiten einzuschreiten. Gerade Delikte der Straßenkriminalität wie Raub, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Diebstahl, aber auch Belästigungen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Pöbeleien ereignen sich häufig unter den Augen der Öffentlichkeit und stellen jeden Einzelnen vor die Herausforderung, angemessen zu agieren und engagiert Hilfe zu leisten", erläutert Dr. Wolf Hammann die Intention, die hinter dem Medienpaket steckt. Kinder und Jugendliche sollen für Straftaten und diskriminierendes Verhalten sensibilisiert werden und lernen, Mitgefühl mit den Opfern zu zeigen. Darüber hinaus soll ihnen bewusst werden, dass auch sie jederzeit Opfer einer Straftat werden können und dann ebenfalls auf die Hilfe ihrer Mitmenschen angewiesen sind.
Die jugendlichen Akteure in den Episoden schauen nicht weg. Sie greifen ein und regen auf diese Weise bei den Zuschauern einen Denkprozess an. Dieser soll deren Verhalten im realen Alltag nachhaltig positiv beeinflussen. Die Botschaften, die transportiert werden verdeutlichen, worauf es bei richtig verstandener Zivilcourage ankommt. Es geht nicht darum, den Helden zu spielen und sich selbst in Gefahr zu bringen. Oftmals genügen schon Kleinigkeiten, um eine große Wirkung zu erzeugen. So reicht es manchmal bereits, Hilfe herbeizuholen oder die Polizei zu rufen.
Das Medienpaket "Weggeschaut ist mitgemacht" ist ein weiterer Baustein im Rahmen der "Aktion-tu-was.de", welche die Polizeiliche Kriminalprävention im Jahr 2001 gestartet hat. Die Episoden zu den Themen Drogendeal, Handyraub und Ladendiebstahl sind im Rahmen eines Projekts der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHöV) Köln entstanden. Die Episode zum Thema Alkohol/Gewalt wurde für das bundesweite Medienpaket nachproduziert. Das zum Film dazugehörende Begleitheft beinhaltet unter anderem didaktische Empfehlungen für den Einsatz im Schulunterricht und in der außerschulischen Jugendarbeit.
Die Pressemitteilung, weitere Informationen zur "Aktion-tu-was.de" und zum Thema Zivilcourage finden Sie unter www.aktion-tu-was.de und unter www.polizei-beratung.de. Zudem ist dort die Episode zum Thema Alkohol/Gewalt des Medienpakets "Weggeschaut ist mitgemacht" zum Anschauen in das Internet eingestellt.




