Hamburg / Berlin / Stuttgart – Immer wieder erschüttern Fälle von Kindesmisshandlung und Kindesvernachlässigung die Öffentlichkeit. Um Kinder vor seelischen und körperlichen Schäden zu bewahren, ist rechtzeitiges Eingreifen gefragt. In die Pflicht genommen werden sollten dabei nicht nur die zuständigen Behörden und Institutionen, hier ist jeder Einzelne gefragt: "Kinderschutz geht alle an!" lautet deshalb der Titel der neuen Broschüre der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Schirmherrin der Initiative ist Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. Die Initiative wendet sich an Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und Ehrenamtliche in der Kinder- und Jugendarbeit. Sie wird auch von der Opferschutzorganisation WEISSER RING unterstützt.
"Als Bundesfamilienministerin habe ich vor allem eine Aufgabe: den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Dazu gehört auch, Kinder von klein auf stark zu machen und gegenüber Grenzverletzungen zu sensibilisieren. Deswegen habe ich die Schirmherrschaft der Initiative 'Kinderschutz geht uns alle an' übernommen. Die vorliegende Broschüre gibt allen, die beruflich oder ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten mehr Sicherheit im Umgang mit vielen schwierigen Fragen", erklärt Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.
"Jedes Kind, das misshandelt oder vernachlässigt wird, ist eines zuviel. Kinder haben ein Recht darauf, in Geborgenheit und ohne Gewalt aufzuwachsen. Um dies zu gewährleisten, sind Kinder als die schwächsten Glieder in unserer Gesellschaft auf den Schutz und die Fürsorge aller angewiesen", betont der Vorsitzende der Innenministerkonferenz und Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg, Christoph Ahlhaus.
"Die neue Broschüre 'Kinderschutz geht alle an! Gemeinsam gegen Kindesmisshandlung und Vernachlässigung' gibt einen Einblick in die wesentlichen Ursachen und Erscheinungsformen von Kindesmisshandlung und Vernachlässigung, sie zeigt Reaktionsmöglichkeiten auf und benennt Ansprechpartner, Hilfsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote bei Verdachtsfällen. Damit wollen wir die Sensibilität von Lehrkräften, pädagogischen Fachkräften und Ehrenamtlichen stärken, damit sie Kindern in kompetenter Weise beistehen und helfen können, wenn diese Opfer von Misshandlung oder Vernachlässigung werden“, macht Dr. Wolf Hammann, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes und Landespolizeipräsident von Baden-Württemberg, deutlich. "Dieser Personenkreis hat regelmäßig Kontakt zu Kindern und kann somit Anzeichen erkennen, die Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung geben. Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und Ehrenamtliche können auf diese Weise ihren Teil dazu beitragen, die Leidensgeschichte, die hinter jeder Misshandlung und jeder Vernachlässigung steht, zu beenden. Mit der neuen Broschüre wollen wir ihnen konkrete Hilfen an die Hand geben und sie in ihrer Handlungssicherheit im Umgang mit diesem sensiblen Thema stärken", betont Hammann.
"Der WEISSE RING betreut mit viel Hingabe die Opfer von Kindesmisshandlung", bekennt der Bundesvorsitzende der Opferhilfs-Organisation Prof. Dr. Reinhard Böttcher. "Daher unterstützen wir diese Broschüre sehr gern und vertiefen damit unsere Zusammenarbeit mit der Polizeilichen Kriminalprävention."
Wie viele Kinder tagtäglich Misshandlungen und Qualen über sich ergehen lassen müssen, lässt sich nicht belegen. Angesichts der hohen Dunkelziffer gibt es keine genauen Zahlen zum Ausmaß von Kindesmisshandlung und psychischer Misshandlung in Deutschland. Auch repräsentative Erkenntnisse zur körperlichen Erziehungsgewalt und zur Kindesvernachlässigung fehlen. Es werden jedoch mehr Kinder von den Jugendämtern in Obhut genommen und mehr familiengerichtliche Maßnahmen eingeleitet. Das zeigt, dass die Behörden verstärkt ihre Aufmerksamkeit auf die Gefährdung von Kindern legen.
Die neue Broschüre "Kinderschutz geht alle an! Gemeinsam gegen Kindesmisshandlung und Vernachlässigung" hat eine Arbeitsgruppe von Experten aus dem Bereich der Kultusministerkonferenz, der Jugend- und Familienministerkonferenz, der Sozialministerkonferenz, der Sportministerkonferenz und des Bundesfamilienministeriums unter der Federführung der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes erarbeitet. Bislang gab es für die Zielgruppe der Lehrkräfte, pädagogischen Fachkräfte und Ehrenamtlichen in der Kinder- und Jugendarbeit keine komprimierte Darstellung mit aktuellen Hintergrundinformationen, Hilfestellungen und Rechtsgrundlagen.
Für Multiplikatoren in Schulen, sozialpädagogischen Einrichtungen und Sporteinrichtungen sowie der Polizei, die dieses Thema aufgreifen wollen, stehen ergänzend zur Broschüre Vortragsunterlagen zur Verfügung, die von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes erstellt wurden.
Diese Pressemitteilung, den Vortrag und weitere Informationen zum Thema Kindesmisshandlung und Vernachlässigung finden Sie im Internet unter www.polizei-beratung.de. Dort ist auch die Broschüre kostenlos zum Herunterladen eingestellt.
Programm Polizeiliche Kriminalprävention
der Länder und des Bundes (ProPK)
Zentrale Geschäftsstelle
Taubenheimstraße 85
70372 Stuttgart
Telefon (07 11) 54 01-20 62
Telefax (07 11) 2 26 80 00
E-Mail
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Das Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) verfolgt das Ziel, die Bevölkerung, Multiplikatoren, Medien und andere Präventionsträger über Erscheinungsformen der Kriminalität und Möglichkeiten zu deren Verhinderung aufzuklären. Dies geschieht unter anderem durch kriminalpräventive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und durch die Entwicklung und Herausgabe von Medien, Maßnahmen und Konzepten, welche die örtlichen Polizeidienststellen in ihrer Präventionsarbeit unterstützen.