Informationen
zum Ablauf des
Strafverfahrens

Das Schaubild gibt Ihnen einen Überblick,
wie ein Strafverfahren abläuft.

Tatgeschehen

Keine Strafanzeige? Strafverfolgung erschwert!

Ohne Kenntnis der Straftat können Polizei und Staatsanwaltschaft nicht tätig werden – die Tat wird nicht aufgeklärt, der Täter bleibt unentdeckt und unbestraft, er kann weiterhin Straftaten begehen. Schützen Sie also sich und andere: Zeigen Sie jede Straftat an!

Gerade gegenüber Tätern aus dem sozialen Umfeld ist die Hemmschwelle zur Strafanzeige hoch. Aber durch eine Anzeige wird

  • der sexuelle Missbrauch aufgedeckt und beendet 
  • weiterer Missbrauch verhindert
  • der Täter zur Rechenschaft gezogen.

Kindliche Opfer von sexueller Gewalt können sich nicht selbst für ihre Rechte einsetzen und Hilfe in Anspruch nehmen. Deshalb brauchen sie die Unterstützung von uns Erwachsenen. Wir müssen die Aktivitäten zum Schutz der Kinder stellvertretend für diese jungen Opfer ausüben.

Bedenken Sie auch, dass die Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz ohne eine Anzeige im Einzelfall möglicherweise versagt werden können.

Sollten Sie sich nicht sofort zu einer Anzeige entschließen können, machen Sie sich Notizen zu folgenden Punkten, die für eine spätere Strafanzeige wichtig sind, z.B.:

  • das Verhalten des Kindes
  • das Erzählte
  • eigene Beobachtungen
  • Zeugen oder deren Aussagen

Denken Sie auch daran, eine Ärztin oder einen Arzt einzuschalten.

Lassen Sie sich beraten:

  • Deutscher Kinderschutzbund e.V., Schiffgraben 29, 30159 Hannover, Telefon: 0511 304850
  • Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutzzentren, Spichernstr. 55, 50672 Köln, Telefon: 0221 569753
  • Jugendämter
  • Erziehungs- und Familienberatungsstellen
  • Spezielle Beratungsstellen, z. B. Wildwasser e.V.
  • Pro Familia, Stresemannallee 3, 60596 Frankfurt am Main, Telefon: 069 639002
  • Opferhilfeorganisationen, z. B. WEISSER RING
  • Polizeiliche Opferschutzbeauftragte
  • Fachdienststellen der Kriminalpolizei

Eine Liste von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen können Sie auch anfordern bei

  • Donna Vita-Verlag, Postfach 5 - Post Husby, 24973 Ruhnmark, Telefon: 04634 1711


Ermitteln Sie nicht selbst!

Strafanzeige

POLIZEI

Jeder, also beispielsweise der/die Sorgeberechtigte, ein(e) Verwandte(r), ein(e) Nachbar(in) oder ein(e) Freund(in) des Opfers sowie auch das Opfer selbst können den Strafverfolgungsbehörden (= jede Polizeidienststelle oder Staatsanwaltschaft) persönlich oder schriftlich ein mutmaßlich strafbares Geschehen anzeigen.

Auch Kinder können Anzeige erstatten. Die Anzeige kann anonym oder pseudonym erfolgen, schriftlich oder mündlich. Sie muss entgegengenommen werden, die Strafverfolgungsbehörden sind zur Erforschung des Sachverhalts gesetzlich verpflichtet. Bitte beachten Sie: Die Strafanzeige kann nicht zurückgenommen werden. Die Polizei muss bei Bekanntwerden der Tat ermitteln.

Als Geschädigter oder auch als Mitteiler einer Straftat treten Sie nicht als "Kläger", sondern als "Zeuge" (bzw. der Geschädigte als Opferzeuge) auf. Zur persönlichen Anzeigenerstattung werden vollständige Personalien benötigt (Vor-, Familien- und gegebenenfalls Geburtsname, Geburtstag und -ort, Anschrift, Personaldokument).
Wichtig ist, dass beim sexuellen Missbrauch von Kindern die Verjährung bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers ruht und somit die Verjährungsfrist erst ab diesem Zeitpunkt beginnt. Die Verjährungsfrist richtet sich nach Strafdrohung des jeweiligen Gesetzes. Das deutsche Strafrecht gilt – unabhängig vom Recht am Tatort – auch dann, wenn der sexuelle Missbrauch von Kindern im Ausland begangen worden und der Täter Deutscher ist.

Der sexuelle Missbrauch von Kindern gemäß § 176 StGB ist gemäß § 12 Abs. 2 StGB ein Vergehen, da das strafliche Mindestmaß Freiheitsstrafe unter einem Jahr ist. Die Tat ist ein Offizialdelikt, d.h. sie wird stets von Amts wegen verfolgt, also unabhängig vom Strafantrag bzw. Willen des Verletzten oder seines gesetzlichen Vertreters. So ist bei Bekanntwerden eines Falles die Staatsanwaltschaft verpflichtet zu ermitteln und kann ohne Strafanzeige tätig werden. Das Verfahren kann somit auch nicht auf Wunsch des Kindes oder seiner Eltern eingestellt werden.

Aktenzeichen

Die Polizei führt Strafanzeige und Ermittlungsvorgang unter dem polizeilichen Aktenzeichen ("Tagebuchnummer", "Geschäftszeichen") und weist den Vorgang einem Sachbearbeiter zu. Dieses Aktenzeichen benötigen Sie beispielsweise bei weiterem Schriftverkehr, zur Nachreichung von Schadensaufstellungen, zum Nachweis der Anzeigenerstattung gegenüber Ihrer Versicherung oder für einen Anruf bei dem polizeilichen Sachbearbeiter, der Ihnen auch für Rückfragen zur Verfügung steht. Die Staatsanwaltschaft erhält den Vorgang nach Abschluss der Ermittlungen und führt ihn dort unter ihrem eigenen Aktenzeichen, das Sie bei Bedarf von der Polizei erfahren.

Vernehmung

Die Aussage des Kindes findet meist bei der Polizei statt, dazu erfolgt gegebenenfalls eine polizeiliche Vorladung. Wenngleich keine gesetzliche Pflicht besteht, dieser Vorladung zu folgen, bedenken Sie bitte: Der Geschädigte ist ein besonders wichtiger Zeuge, auf dessen Mithilfe Polizei und Staatsanwaltschaft angewiesen sind. Die Ladung von Kindern erfolgt an die Erziehungsberechtigten; sind jene an der Vertretung rechtlich gehindert, an den Ergänzungspfleger. Das ist z. B. dann der Fall, wenn die Erziehungsberechtigten des sexuellen Missbrauchs verdächtig sind. Die Vorladung kann nicht gegen den Willen des gesetzlichen Vertreters durchgesetzt werden. Das Kind hat das Recht auf Nebenklage gegen den Täter und auf einen Rechtsanwalt als Nebenklagevertretung.

Vor der Befragung wird das Kind belehrt: Fragen, durch deren Beantwortung das Kind einen Angehörigen belasten würde, muss es nicht beantworten (Zeugnisverweigerungsrecht, § 52 Abs. 2 StPO). Kinder, die ein Zeugnisverweigerungsrecht haben, können darüber nur bei ausreichender Verstandesreife alleine entscheiden. Die ist gegeben, wenn sie die Konsequenzen ihrer Zeugenaussage bzw. Zeugnisverweigerung erkennen können. Also dann, wenn das Kind fähig ist zu erkennen, dass seine Aussage möglicherweise zur Bestrafung des Angehörigen beitragen kann. Für diese "Verstandesreife" gibt es keine feste Altersgrenze. Ist das Kind zu einer Entscheidung noch nicht in der Lage, wird vom Gericht ein Ergänzungspfleger bestellt, der diese Entscheidung mit dem Kind zusammen trifft. Ein Kind braucht nicht auszusagen, nur weil der gesetzliche Vertreter zugestimmt hat. Der gesetzliche Vertreter wird von der Entscheidung ausgeschlossen, wenn er selbst Beschuldigter ist. Er darf somit nicht über das Zeugnisverweigerungsrecht entscheiden, auch nicht der nichtbeschuldigte Elternteil.

Wichtig ist, dass nur eine richterliche Vernehmung bewirkt, dass die Angaben des Kindes auch bei einer späteren Zeugnisverweigerung verwertet werden können. In den Fällen, in denen eine zeugnisverweigerungsberechtigte Person bereit ist, Angaben zur Sache zu machen und den Beschuldigten zu belasten, erfolgt meist eine richterliche Vernehmung zur Absicherung der Zeugenaussage. Das Kind wird auch darauf hingewiesen, dass seine Aussage wahrheitsgemäß erfolgen muss.
Die Beurteilung der Glaubwürdigkeit kindlicher Zeugen ist grundsätzlich Sache des Gerichts. Der Hinzuziehung eines Sachverständigen bedarf es, wenn die Eigenart und besondere Gestaltung des Falles eine Sachkunde erfordern, die ein Richter normalerweise nicht hat.

Bei der Befragung eines Kindes kann – mit Einverständnis des Ermittlers (vorher nachfragen!) – ein Angehöriger (wenn es sich hierbei nicht um den Beschuldigten handelt) oder eine andere Person des Vertrauens als Begleitung mitgebracht werden. Lediglich Personen, die in derselben Sache Zeugen sind oder sein können, sollen bei dieser Vernehmung generell nicht anwesend sein. Nicht in jedem Fall können bei einer ersten Befragung eines Kindes alle Tatumstände behandelt werden. Möglicherweise gibt es auch Sachverhalte, die zum Zeitpunkt der ersten Befragung des Kindes noch nicht oder nur unzureichend bekannt sind. Daher lässt es sich nicht immer ausschließen, dass ein Kind nochmals zum Sachverhalt befragt wird.

Die Möglichkeit zur Videovernehmung von Zeugen im Ermittlungsverfahren erlaubt es, dass nur eine Vernehmung stattfindet. Allerdings nur dann, wenn diese von einem Ermittlungsrichter durchgeführt wird. Häufig wird jedoch eine polizeiliche Vernehmung vorausgehen. Da sich der sexuelle Missbrauch des Kindes bei gleichzeitigem Einsatz von Videokameras ereignet haben kann, muss unter Umständen auf eine Aufzeichnung verzichtet werden, da Videotechnik im Vernehmungszimmer oder ggf. auch später in der Hauptverhandlung das Kind ängstigen können. Kopien der protokollierten Zeugenaussage und auch Videoaufnahmen dürfen nicht überlassen werden, da sie Aktenbestandteile sind und Zeugen (auch "Opferzeugen") kein Recht auf Akteneinsicht zusteht. Opferzeugen und deren Vertreter haben im Rahmen der Nebenklage das Recht auf Akteneinsicht.

Ermittlungen, Beweiserhebung und -sicherung

Außer durch Ihre Zeugenvernehmung erhebt und sichert die Polizei bei ihren Ermittlungen weitere so genannte "Personalbeweise" (wie Aussagen, Gutachten) und "Sachbeweise" (wie Finger- oder Werkzeugspuren, Dokumente), um Tatverdächtige namhaft zu machen und ihnen den Tatvorwurf gerichtsverwertbar nachzuweisen oder auch einen Verdacht gegen Unbeteiligte zu entkräften. Als Opfer einer Straftat müssen Sie gegebenenfalls Beweismittel aus Ihrem Besitz (Gegenstände als Spurenträger) herausgeben sowie sich Ihre Fingerabdrücke (als Vergleichsabdrücke zur Identifizierung tatrelevanter Spuren) abnehmen oder sich ärztlich untersuchen lassen – notfalls auf Anordnung von Staatsanwaltschaft oder Gericht auch gegen Ihren Willen.

STAATSANWALTSCHAFT

Gegebenenfalls erneute Vernehmung der Zeugen

Die Staatsanwaltschaft ist "Herrin" des Ermittlungsverfahrens, sie kann daher beispielsweise Zeugen erneut vorladen und vernehmen. Einer staatsanwaltschaftlichen Vorladung müssen Sie in jedem Fall nachkommen, bei unberechtigtem Ausbleiben können Sie zwangsweise vorgeführt werden. Im Ermittlungsverfahren kann auch der Ermittlungsrichter Zeugen vorladen und vernehmen. Die richterliche Vernehmung hat besonderen Wert, weil nur sie auch in der Hauptverhandlung verwendet werden darf, selbst wenn der Zeuge dort nicht mehr erscheinen kann oder sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht beruft.

Einstellung des Verfahrens ohne Folgen

Die Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungsverfahren vorläufig ein, wenn kein Tatverdächtiger namhaft gemacht werden konnte. Sobald sich später neue Ermittlungsansätze ergeben oder Tatverdächtige ermittelt werden, kann das Verfahren vor Ablauf der Verjährungsfrist jederzeit wieder aufgenommen werden.

Auch wenn ein Beschuldigter ermittelt wurde, stellt die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen ihn ohne weitere Folgen ein, falls sich doch noch seine Unschuld erweist oder das Ermittlungsergebnis nicht genügend Anlass zur Erhebung der Anklage bietet (Beweisnot), oder die Schuld des Täters als gering angesehen wird (Geringfügigkeit).

Einstellung des Verfahrens mit Folgen

Die Staatsanwaltschaft kann das Verfahren gegen einen Beschuldigten unter bestimmten Auflagen oder Weisungen vorläufig einstellen. Wenn er sie binnen einer gesetzten Frist erfüllt, etwa den angerichteten Schaden wiedergutmacht, Zahlung an eine gemeinnützige Organisation oder Arbeit für einen gemeinnützigen Zweck leistet oder an einem Verkehrsunterricht oder einem "Täter-Opfer-Ausgleich" teilnimmt, stellt die Staatsanwaltschaft das Verfahren endgültig ein. Diese Art der Verfahrenseinstellung ist nur mit Zustimmung des Gerichts und des Beschuldigten möglich.

Täter-Opfer-Ausgleich

Im "Täter-Opfer-Ausgleich", der nur mit dem Einverständnis des Opfers durchzuführen ist, vereinbaren Sie mit dem Täter Wiedergutmachung. Der Ausgleich kann Ihnen als Opfer helfen, mit materiellen und seelischen Folgen der Tat besser fertig zu werden; dem Täter wird dabei Strafmilderung oder Absehen von Strafe in Aussicht gestellt. Ihnen als Opfer steht beim "Täter-Opfer-Ausgleich" stets ein erfahrener neutraler Vermittler zur Seite, der zunächst regelmäßig mit Ihnen und mit dem Täter getrennte Gespräche führt, um die jeweiligen Erwartungen und Ziele zu klären und damit das Ausgleichsgespräch vorzubereiten. Eine Konfrontation mit dem Täter ohne Begleitung und Unterstützung brauchen Sie dabei nicht zu befürchten.

Viele Opfer haben mit einem "Täter-Opfer-Ausgleich" gute Erfahrungen gemacht. Wenn Sie als Opfer daran interessiert sind, sollten Sie die Polizei oder die Staatsanwaltschaft darauf ansprechen.

Anklage

GERICHT IN STRAFSACHEN

Einstellung des Verfahrens

Auch nach Erhebung der öffentlichen Klage kann das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und des Angeschuldigten das Verfahren

  • bis zum Beginn der Hauptverhandlung unter den Voraussetzungen, aufgrund derer es von Strafe absehen könnte, endgültig einstellen oder
  • bis zum Ende der Hauptverhandlung unter Auflagen oder Weisungen vorläufig einstellen, bis die Auflagen oder Weisungen erfüllt sind.


Strafbefehl ohne Hauptverhandlung

Wenn die Staatsanwaltschaft nach dem Ermittlungsergebnis eine Hauptverhandlung nicht für erforderlich hält, beantragt sie einen Strafbefehl. Durch Strafbefehl dürfen nur bestimmte Rechtsfolgen der Tat festgesetzt werden, darunter beispielsweise Geldstrafe, Verwarnung mit Strafvorbehalt, Fahrverbot, Einziehung, Verfall oder Entziehung der Fahrerlaubnis mit einer Sperre von höchstens zwei Jahren sowie Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr mit Bewährung.

Geldstrafe

Eine der gängigsten Strafen im Strafbefehlsverfahren ist die Geldstrafe, die jedoch nicht dem Opfer zufließt. Zahlungen an das Opfer können im "Täter-Opfer-Ausgleich" vereinbart werden.

Freiheitsstrafe mit Bewährung

Im Strafbefehlsverfahren ist die Festsetzung einer Freiheitsstrafe nur dann möglich, wenn der Angeschuldigte einen Verteidiger hat, die Freiheitsstrafe höchstens ein Jahr beträgt und ihre Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird. Der Täter braucht dann die Freiheitsstrafe nicht anzutreten, es sei denn, die Bewährung wird später widerrufen.

Einspruch des Angeklagten gegen den Strafbefehl

Der Angeklagte kann gegen den Strafbefehl bei dem Gericht, das ihn erlassen hat, binnen zwei Wochen Einspruch einlegen. Bei verspätetem Einspruch steht der Strafbefehl einem rechtskräftigen Urteil gleich. Wird dem Einspruch stattgegeben, kommt es zur Hauptverhandlung.

Hauptverhandlung

Nebenklage

Als Opfer


  • einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung (z.B. Vergewaltigung oder sexueller Missbrauch),
  • einer Straftat gegen das Leben oder die körperliche Unversehrtheit (z. B versuchter Totschlag, vorsätzliche  Körperverletzung),
  • einer Straftat gegen die persönliche Freiheit (z.B. Menschenhandel, schwere Formen der Freiheitsberaubung)
  • eines Verstoßes gegen eine richterliche Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz
  • einer Nachstellung (Stalking)
  • einer anderen Straftat, bei der besondere Umstände vorliegen, wie z.B. das Erleiden schwerer Tatfolgen


oder als naher Angehöriger eines durch eine Straftat Getöteten können Sie sich der erhobenen öffentlichen Klage in jedem Stand des Verfahrens als Nebenkläger anschließen, sofern es sich nicht um eine Jugendsache handelt.
Als Nebenkläger haben Sie aktiven Einfluss auf das Verfahren: Sie dürfen beispielsweise der Hauptverhandlung durchgehend beiwohnen, Sie oder Ihr Rechtsanwalt können Zeugen und Angeklagte befragen, Beweisanträge stellen oder Rechtsmittel einlegen. Die Erklärung, sich der öffentlichen Klage als Nebenkläger anschließen zu wollen, ist beim Gericht schriftlich einzureichen.

Opferanwalt auf Staatskosten

Bei besonders schwerwiegenden Delikten (Tötungsdelikte, Sexualdelikte) muss auf Antrag ein Opferanwalt auf Staatskosten beigeordnet werden, auch wenn das Opfer nicht bedürftig ist. Dies gilt gleichfalls bei Opfern bis zum 16. Lebensjahr auch bei Sexualstraftaten, die kein Verbrechen sind. Prozesskostenhilfe und Beiordnung eines Opferanwalts sind in jedem Stadium des Verfahrens möglich.

Adhäsionsverfahren

Generell müssen aus einer Straftat erwachsene vermögensrechtliche Ansprüche gegen den Täter, wie Schadensersatz oder Schmerzensgeld, vor ordentlichen Gerichten (Zivilgerichten) geltend gemacht werden.
Im Adhäsionsverfahren (dem so genannten „Anhangsverfahren“) kann dagegen auf Antrag des Verletzten oder seines Erben auch das Gericht in Strafsachen über solche Ansprüche entscheiden, sofern es sich nicht um eine Jugendsache handelt und der Sachverhalt für eine solche Entscheidung in der Hauptverhandlung geeignet ist, insbesondere das Strafverfahren nicht verzögert.
Der Antrag kann schriftlich oder mündlich bis spätestens in der Hauptverhandlung gestellt werden.

Eröffnung der Hauptverhandlung

Zur Eröffnung der Hauptverhandlung sind alle Beteiligten anwesend – Gericht, Staatsanwalt, Protokollführer, Angeklagte, gegebenenfalls Verteidiger, geladene Zeugen sowie erforderlichenfalls Dolmetscher und Sachverständige.
Sobald die Anwesenheit der erforderlichen Beteiligten feststeht, müssen Sie als Zeuge den Verhandlungssaal verlassen, sofern Sie nicht auch Nebenkläger sind. Sie dürfen bis zu Ihrer Vernehmung nicht einmal als Zuhörer an der Verhandlung teilnehmen, weil Sie völlig unbeeinflusst, unbefangen und nur aus Ihrer eigenen Erinnerung aussagen sollen.
Bei manchen Gerichten gibt es für die Wartezeit so genannte "Zeugenzimmer", in denen Sie betreut und von Verfahrensbeteiligten abgeschirmt werden können, denen Sie vielleicht nicht begegnen möchten. Fragen Sie das Gericht rechtzeitig danach!
Dann wird die Hauptverhandlung mit der Befragung zur Person des Angeklagten sowie der Verlesung der Anklage begonnen.

Öffentlichkeit

Gerichtsverhandlungen mit Ausnahme von Strafsachen nur gegen Jugendliche und Familiensachen sind generell öffentlich. Zum Schutz des persönlichen Lebensbereichs, etwa des Zeugen oder Opfers, soll jedoch ausnahmsweise die Öffentlichkeit auf Antrag des Betroffenen ausgeschlossen werden, beispielsweise wenn belastende Einzelheiten über den Gesundheitszustand, die Intimsphäre oder das Familienleben zur Sprache kommen.
Auch der Schutz berechtigter Interessen an Geschäfts-, Betriebs- oder Steuergeheimnissen sowie zu befürchtende Gefahren für Leben, körperliche Unversehrtheit oder Freiheit etwa des Zeugen gestatten den Ausschluss der Öffentlichkeit.
Über den Ausschluss der Öffentlichkeit entscheidet auf Ihren Antrag als Zeuge oder Opfer das Gericht, dem Sie Ihr Schutzinteresse darlegen müssen, in nichtöffentlicher Sitzung.

Vernehmung des Angeklagten

Nach Verlesung der Anklage wird der Angeklagte vom Vorsitzenden Richter über seine Rechte und Pflichten belehrt. Der Angeklagte kann sich zum Tatvorwurf äußern, braucht es aber nicht zu tun. Will er sich äußern, wird er erst vom Vorsitzenden, dann gegebenenfalls von Schöffen und Beisitzern, schließlich vom Staatsanwalt und eventuell von der Verteidigung befragt.
Sofern Sie nicht nur Zeuge, sondern auch Nebenkläger sind, können Sie oder Ihr Rechtsanwalt dem Angeklagten ebenfalls Fragen stellen.

Beweisaufnahme

Nach der Vernehmung des Angeklagten folgt die Beweisaufnahme: Dem Gericht werden dabei alle bedeutsamen Tatsachen und Beweismittel, die der Wahrheitsfindung dienen, mündlich und unmittelbar vorgestellt, weil sie andernfalls nicht in das Urteil einfließen dürfen. Daher müssen in der Hauptverhandlung alle entscheidungsrelevanten Sach- und Personalbeweise aus dem Ermittlungsverfahren noch einmal vorgetragen werden, also beispielsweise auch Ihre Zeugenaussage.

Zeuge vor Gericht

Sofern Sie nicht auch Nebenkläger sind, werden Sie als Zeuge in der Hauptverhandlung erst wieder zur Beweisaufnahme aufgerufen.
Bei manchen Gerichten gibt es für die Wartezeit so genannte "Zeugenzimmer", in denen Sie betreut und von Verfahrensbeteiligten abgeschirmt werden können, denen Sie vielleicht nicht begegnen möchten. Fragen Sie das Gericht rechtzeitig danach!
Die Zeugenvernehmung in der Hauptverhandlung wird Ihnen förmlicher erscheinen als die polizeiliche oder staatsanwaltschaftliche Vernehmung im Ermittlungsverfahren. Lassen Sie sich davon nicht beeindrucken oder beunruhigen!
Ihr Rechtsanwalt darf bei Ihrer Vernehmung jedenfalls anwesend sein. Auf Ihren Wunsch kann das Gericht auch einen anderen nicht verfahrensbeteiligten Begleiter (Rechtsreferendar oder ehrenamtlichen Helfer) als Beistand zulassen ("Zeugenbegleitprogramm"; fragen Sie danach).

Ladung/Teilnahmeverpflichtung

Der Ladung zum Termin der Hauptverhandlung müssen Sie in jedem Fall folgen und persönlich erscheinen, übrigens auch dann, wenn Sie schon einmal ausgesagt haben. Selbst wenn Sie meinen, nichts Neues oder Wichtiges zum Verfahren beitragen zu können.
Ihr Ausbleiben wird nur durch dringende Gründe entschuldigt, beispielsweise durch eine ernsthafte Erkrankung, die durch ein ärztliches Attest nachzuweisen ist. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ("gelber Schein") allein reicht nicht aus! Ob eine Urlaubsreise als dringender Grund anerkannt wird, entscheidet das Gericht im Einzelfall.
Geben Sie den dringenden Grund, der Ihr Erscheinen zum Termin behindert, dem Gericht frühestmöglich – gegebenenfalls telefonisch – bekannt; die Telefonnummer und das Aktenzeichen finden Sie auf Ihrer Ladung. Erst wenn das Gericht Ihre Entschuldigung anerkennt und Ihnen ausdrücklich erlaubt, nicht zu erscheinen, dürfen Sie dem Termin fernbleiben.
Bei unentschuldigtem Fernbleiben werden Ihnen die Kosten für den Termin (Fahrtkosten, Anwaltshonorare, Verdienstausfall anderer Zeugen etc.) und ein Ordnungsgeld von bis zu 500,- Euro auferlegt, für das Sie bei Nichtzahlung sogar in Haft genommen werden können. Außerdem droht Ihnen zum neuen Termin der Hauptverhandlung eine polizeiliche Vorführung.

Vernehmung

Ihre Zeugenvernehmung beginnt mit der Belehrung über Ihre Pflichten und Rechte durch den Vorsitzenden Richter. Als Zeuge sind Sie schon bei Ihren Angaben zur Person, erst recht bei der Aussage zur Sache zur Wahrheit verpflichtet. Sie dürfen nichts bewusst weglassen oder hinzuerfinden. Auch ohne Beeidigung, über deren Bedeutung Sie ebenfalls belehrt werden, sind Falschaussagen vor Gericht strafbar! Ein Zeugnisverweigerungsrecht haben Sie als naher Verwandter des Angeklagten generell oder als Angehöriger bestimmter Berufe (Geistliche, Verteidiger, Rechtsanwälte etc.) in all den Punkten, die Ihnen in Ihrer beruflichen Eigenschaft anvertraut oder bekannt wurden. Sie dürfen auch die Auskunft auf Fragen verweigern (Auskunftsverweigerungsrecht), deren Beantwortung Sie selbst oder einen nahen Angehörigen in die Gefahr der Strafverfolgung bringen könnte.
Nach der Belehrung werden Sie erst zu Ihrer Person (Name, Alter, Familienstand, Beruf, Wohnort, Verwandtschaftsverhältnis zu dem Angeklagten) und dann zur Sache befragt. Dabei erzählen Sie zunächst im Zusammenhang, was Sie zum Sachverhalt wissen. Wenn Sie sich an etwas nicht mehr genau erinnern, sollten Sie das unbesorgt sagen. Sie können zur Auffrischung Ihrer Erinnerung oder zur Klärung von Widersprüchen auch um Verlesung früherer Aussagen bitten. Danach werden Sie gegebenenfalls vom Gericht, von der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung ergänzend befragt. Die Antworten richten Sie bitte an den Vorsitzenden Richter.
Wenn Sie sich zu sehr aufregen, an der Zulässigkeit oder der Formulierung einer Frage zweifeln oder eine Pause benötigen, wenden Sie sich unbesorgt an den Vorsitzenden Richter. Das Gericht ist auch zu Ihrem Schutz da!

Rechte

Zeugnisverweigerungsrecht:

In Ihrer Zeugenvernehmung dürfen Sie als naher Verwandter des Angeklagten das Zeugnis generell oder als Angehöriger bestimmter Berufe (Geistliche, Verteidiger, Rechtsanwälte etc.) in all den Punkten verweigern, die Ihnen in Ihrer beruflichen Eigenschaft anvertraut oder bekannt wurden.

Auskunftsverweigerungsrecht:

Sie dürfen die Auskunft auf Fragen verweigern, deren Beantwortung Sie selbst oder einen nahen Angehörigen in die Gefahr der Strafverfolgung bringen könnte.

Einstellung des Verfahrens:

Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten kann das Gericht bis zum Ende der Hauptverhandlung das Verfahren unter Auflagen oder Weisungen vorläufig einstellen, bis die Auflagen oder Weisungen erfüllt sind.

Urteil

Freispruch

Wenn dem Angeklagten die Tat nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung nicht nachzuweisen („Im Zweifel für den Angeklagten“) oder er unschuldig ist, ergeht ein freisprechendes Urteil.

Verwarnung mit Strafvorbehalt

Dem Angeklagten ist die Tat -als Ergebnis der Hauptverhandlung- nachgewiesen. Das Gericht ist der Überzeugung, der Angeklagte werde zukünftig keine Straftaten mehr begehen und sieht daher von einer Verurteilung zu einer Strafe ab, kann aber im Urteil eine Verwarnung mit Strafvorbehalt aussprechen. Durch das Urteil wird der Angeklagte schuldig gesprochen, dabei jedoch lediglich verwarnt. Die eigentliche Strafe (Geldstrafe von bis zu einhundertachtzig Tagessätzen) bleibt ein bis drei Jahre zur Bewährung vorbehalten.

Geldstrafe

Wenn dem Angeklagten die Tat nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung nachgewiesen ist, kann er zu einer Geldstrafe zwischen fünf und dreihundertsechzig Tagessätzen verurteilt werden, sofern das Gesetz für die Tat neben Freiheitsstrafe auch "Geldstrafe" androht. Die Höhe des Tagessatzes zwischen einem und 5.000,- € richtet sich nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters. Die Geldstrafe fließt nicht dem Opfer zu, Zahlungen an das Opfer können im "Täter-Opfer-Ausgleich" vereinbart werden.

Freiheitsstrafe mit Bewährung

Wenn dem Angeklagten die Tat nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung nachgewiesen ist, kann er zu Freiheitsstrafe verurteilt werden. Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr werden im Allgemeinen, solche bis zu zwei Jahren ausnahmsweise für zwei bis fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt; der Verurteilte braucht die Strafe also nicht anzutreten. Die Bewährung kann unter Auflagen oder Weisungen gewährt werden, beispielsweise den angerichteten Schaden wiedergutzumachen, Zahlung an eine gemeinnützige Organisation oder die Staatskasse zu leisten oder an einem "Täter-Opfer-Ausgleich" beziehungsweise einem Verkehrsunterricht teilzunehmen.

Freiheitsstrafe ohne Bewährung

Wenn dem Angeklagten die Tat nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung nachgewiesen ist, kann er zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden. Freiheitsstrafen über zwei Jahre sind nicht zur Bewährung auszusetzen, der Verurteilte muss die Strafe also antreten, sobald er dazu geladen wird.