Tipps

Hier sind Sie als Opfer in guten Händen

Ratschläge und nützliche Verhaltensregeln, damit Sie sicher leben.

Lassen Sie sich durch einen Rechtsanwalt beraten, der auf Körperverletzungsdelikte spezialisiert ist. Kostenlose Auskunft über Anwaltskanzleien erhalten Sie bei einem Anwaltsverein oder über einen Anwaltsuchdienst (Gelbe Seiten oder im Internet).

Beachten Sie bitte, dass bereits das erste Beratungsgespräch in der Regel kostenpflichtig ist. Sollten Sie rechtsschutzversichert sein, fragen Sie bei Ihrer Versicherung nach einer Kostenübernahme für die anwaltschaftliche Vertretung. In finanziellen Notlagen haben Sie nach dem Beratungshilfegesetz Anspruch auf eine kostenlose anwaltschaftliche Beratung (Auskunft erteilt ihr zuständiges Amtsgericht), unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt auch der WEISSE RING die finanziellen Aufwendungen.

Die Betreuung der Opfer gehört zu den Aufgaben der polizeilichen Prävention bzw. jedes Polizeibeamten (Opferschutz). In einigen Bundesländern stehen Ihnen bei der Polizei so genannte Opferschutzbeauftragte zur Seite. Informationen über die Aufgaben und Möglichkeiten dieser polizeilichen Ratgeber erhalten Sie über die (Kriminal-)Polizeilichen Beratungsstellen.

Sind Sie Opfer eines Körperverletzungsdeliktes geworden, dann sollten Sie sich von Ihrem Hausarzt, einem Facharzt oder in einem Krankenhaus behandeln lassen. Hier werden Ihre Verletzungen zugleich dokumentiert. Dieses Attest kann sowohl im Strafverfahren als auch für die Durchsetzung Ihrer Interessen (Schmerzensgeld, Verdienstausfall etc.) als Beweismittel von Bedeutung sein. Die Kosten für die Behandlung übernimmt in der Regel Ihre Krankenversicherung.

Der Täter ist gesetzlich verpflichtet, dem Opfer den verursachten Schaden zu ersetzen. Dazu gehören unter anderem Vermögensschäden, Schmerzensgeld, entgangener Lohn, Haushalts-, Heil- und Krankenhauskosten oder Schäden durch verminderte Erwerbsfähigkeit. Zur Durchsetzung der Ansprüche muss in der Regel eine Zivilklage geführt werden, die grundsätzlich auf eigene Kosten und eigenes Risiko erfolgt. Nur bei bestimmten Vertragsabschlüssen werden die finanziellen Aufwendungen von Rechtsschutzversicherungen übernommen. Im so genannten Adhäsionsverfahren kann das Gericht auch bereits im Zuge des Strafverfahrens über Anspruch und Höhe von Schadensersatz und Schmerzensgeld entscheiden.

Wer durch eine Gewalttat einen gesundheitlichen Schaden erlitten hat, kann nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) Versorgung erhalten (z.B. Heil - und Krankenbehandlung, Hilfen zur beruflichen Rehabilitation, Beschädigtenrente). Die Versorgung wird nur auf Antrag gewährt. Der Antrag ist an das für den Wohnort der/des Geschädigten zuständigen Versorgungsamt zu stellen.

Die Privatklage vor einem Strafgericht darf nicht mit der Schadensersatzklage vor einem Zivilgericht verwechselt werden. Während Sie mit einer Zivilklage erreichen können, dass Ihnen Schadensersatz oder Schmerzensgeld zugesprochen wird, erstreben Sie als Privatkläger die Bestrafung des Täters.

Die wichtigsten Privatgerichtsdelikte sind:

  • Hausfriedensbruch
  • Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung
  • Körperverletzung
  • Bedrohung mit einem Verbrechen
  • Sachbeschädigung

Eine Privatklage kommt normalerweise dann für Sie in Betracht, wenn die Staatsanwaltschaft die Verfolgung einer Tat mangels öffentlichen Interesses abgelehnt hat. Allerdings muss dann der Staatsanwalt auf den Privatklageweg verweisen. Der Fall ist aber endgültig erledigt, wenn beim Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft von der Verfolgung der Tat (etwa wegen Geringfügigkeit) abgesehen wurde. Dann können Sie nicht mehr als Privatkläger aktiv werden.

In einem Ermittlungsverfahren sind Sie als Opfer einer Körperverletzung immer zugleich auch Zeuge: nämlich so genannter „Opferzeuge“. Sollten Sie als Zeuge bedroht worden sein, informieren Sie unbedingt Polizei, Staatsanwaltschaft oder das Gericht.

Zur Betreuung von Opferzeugen sind weit reichende Möglichkeiten geschaffen worden, wie zum Beispiel die Zeugenbegleitung durch Rechtsreferendare oder ehrenamtliche Helfer bei der Verhandlung. Immer häufiger bieten die Gerichte auch eine psychosoziale Prozessbegleitung durch geschulte Fachkräfte an. 
Um besonders schutzbedürftigen Zeugen eine erneute, psychisch stark belastende Konfrontation mit dem Täter zu ersparen, kann die Vernehmung auf Video aufgezeichnet und später vor Gericht abgespielt werden. Ebenso ist der Ausschluss der Öffentlichkeit unter Umständen möglich.

Auch Kinder sind Zeugen, wenn sie Opfer eines Körperverletzungsdeliktes geworden sind oder entsprechende Beobachtungen gemacht haben. Eine Altersgrenze sieht das Gesetz nicht vor: Vielmehr kommt es darauf an, wie verständig das Kind bereits ist. In der Hauptverhandlung werden Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren allerdings nur vom Richter befragt.

Für Vernehmungen von Opfern unter 18 Jahren müssen die Ermittlungsbehörden die technischen Möglichkeiten für audiovisuelle Vernehmungen bereithalten. Eine solche Videovernehmung soll dann als Beweismittel im Strafverfahren verwendet werden.

Wenn Ihr Kind Opfer einer Körperverletzung geworden oder es in einem Prozess als Zeuge geladen ist, sollten Sie sich rechtzeitig nach einer geeigneten Beratungseinrichtung erkundigen. Nähere Informationen über Einrichtungen dieser Art in Ihrer Region erhalten Sie im Kapitel Opferhilfe und Zeugenbetreuung.

  • Die Verantwortung für die Tat trägt der Täter!
  • Die persönlichen Strategien, mit denen Menschen ihre Opferwerdung verarbeiten, sind unterschiedlich. Es gibt dafür keine Patentrezepte.
  • Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe zur Bewältigung des Erlebten zu suchen.
  • Ein erster Schritt kann ein Anruf bei einer Hilfsorganisation, einem gemeinnützigen Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern oder einer anderen Hilfeeinrichtung in Ihrer Stadt sein.

Sollten Sie als Zeuge bedroht worden sein, informieren Sie in jedem Fall die Polizei, die Staatsanwaltschaft oder das Gericht.