Häusliche Gewalt

Ratschläge und nützliche
Verhaltensregeln, damit Sie sicher leben.

Unter "häuslicher Gewalt" wird im Allgemeinen die Gewaltanwendung in Ehe- und Partnerbeziehungen verstanden.

Ganz überwiegend handelt es sich dabei um Gewalthandlungen von Männern gegenüber Frauen, die sich innerhalb des – oft auch räumlich aufzufassenden – engsten sozialen Beziehungskreises der Frau ereignen.

Die Gewaltanwendung kann sich auch bei Partnerinnen oder Partner in gleichgeschlechtlichen Lebensweisen ereignen.

Bei akuten Gewalthandlungen hat die Polizei folgende Möglichkeiten:

  • Den Täter/die Täterin für eine bestimmte Zeit aus der Wohnung zu verweisen. Ihn oder sie in Gewahrsam zu nehmen.
  • Ein Kontakt- und Näherungsverbot sowie Schutzmaßnahmen für das Opfer anzuordnen.
  • Durch Gewalt betroffene Kinder in die Obhut der Jugendbehörde zu überstellen.

Das können Sie selbst tun:

  • Sie können die Häusliche Gewalt bei jeder Polizeidienststelle anzeigen bzw. über Notruf 110 oder ein Notfall-Fax  die Polizei zu Hilfe holen.
  • Wenn Sie sich noch nicht entscheiden können, die Polizei zu rufen, wenden Sie sich an eine Person Ihres Vertrauens oder lassen Sie sich beraten, aber handeln Sie!
  • Notieren Sie sich Einzelheiten zu den Vorfällen.
  • Suchen Sie einen Arzt auf, nennen Sie ihm den Ursprung der Verletzungen und lassen Sie die Verletzungen attestieren und z. B. fotografieren.
  • Setzen Sie sich mit einer Beratungs- oder Interventionsstelle für Häusliche Gewalt in Verbindung.

Hier erhalten Sie Rat und Hilfe:

  • Notrufe für Frauen und Frauenhäuser
  • Ehe- und Familienberatungsstellen
  • Gleichstellungsstellen der Landratsämter und Kommunen
  • Rechtsantragsstellen der Gerichte
  • Rechtsberatungsstellen
  • Pro Familia e. V.
  • Opferhilfeorganisationen, z. B. WEISSER RING e.V.
  • Opferschutzbeauftragte der Polizei

Ein zusätzliches Angebot für Frauen als Opfer von Gewalt ist das bundesweite Hilfetelefon. Es bietet Frauen unter der Rufnummer 08000 116 016 die Gelegenheit, sich an 365 Tagen, zu jeder Uhrzeit, anonym, kostenlos und sicher beraten zu lassen. Mit Hilfe von Dolmetscherinnen ist eine Beratung in vielen Sprachen möglich. Anrufe werden streng vertraulich behandelt. Nach einer Erstberatung werden die von Gewalt betroffenen Frauen an eine Unterstützungseinrichtung vor Ort weitervermittelt.

Wie können sich Opfer weitergehend schützen?

Das Opfer kann sich an das Familiengericht wenden und eine Schutzanordnung beantragen. Die Geschädigte/der Geschädigte kann dort persönlich und/oder unter Hinzuziehung eines Anwalts vorstellig werden. Der Familienrichter kann bestimmen, dass der Täter sich an Schutzanordnungen halten muss, zum Beispiel

  • die gemeinsame Wohnung auch längerfristig oder dauerhaft zu verlassen,
  • eine bestimmte Entfernung zum Opfer oder dessen Kindern einzuhalten oder
  • jeglichen Kontakt zu meiden.

Der Verstoß gegen gerichtliche Schutzanordnungen ist eine Straftat gemäß § 4 Gewaltschutzgesetz und wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. Missachtet der Täter die Schutzanordnungen, sollte die Polizei informiert werden. Die Polizei ist vom Gericht über die Schutzanordnung informiert und kann weitere notwendige Maßnahmen zum Schutz des Opfers treffen.

Möglichkeiten, das Umgangsrecht für die Kinder zu regeln

Besteht ein Umgangsrecht des Täters für ein gemeinsames Kind, kann die Schutzanordnung eingeschränkt werden. Droht weitere Gewaltanwendung und damit eine Gefährdung des Kindeswohls, kann mit Hilfe des Jugendamtes oder eines Anwalts veranlasst werden, dass das Umgangsrecht nur eingeschränkt wahrgenommen oder ausgesetzt wird. Mögliche Regelungen sind:

  • die Übergabe in einem geschützten Raum,
  • der begleitete oder betreute Umgang oder
  • das Aussetzen des Umgangs.

Hilfe und Unterstützung für Kinder

Kinder können sich bei Problemen zu Hause, in der Schule, mit Freunden oder wenn sie sich bedroht fühlen, Hilfe und Unterstützung holen:

  • Kinder- und Jugendtelefon 0800- 111 0333  Nummer gegen Kummer, anonym und kostenlos erreichbar von montags – samstags 14-20 Uhr
  • Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 – 1110111 oder unter 0800 - 1 11 0222
  • Online- Beratung für Jugendliche unter http://www.youth-life-line.de/home.html
  • städtischen Jugendamt