Tipps

Praktische Hinweise

Ratschläge und nützliche Verhaltensregeln, damit Sie sicher leben.

In vielen Fällen ist es angebracht, sich durch einen Rechtsanwalt beraten zu lassen. Er vertritt Ihre Interessen vor Gericht. Bitte beachten Sie, dass in der Regel bereits das erste Beratungsgespräch kostenpflichtig ist. Sollten Sie Rechtsschutz versichert sein, erkundigen Sie sich am besten bei Ihrer Versicherung nach einer Kostenübernahme. In finanziellen Notlagen haben Sie nach dem Beratungshilfegesetz Anspruch auf eine kostenlose anwaltschaftliche Beratung (Auskunft erteilt ihr zuständiges Amtsgericht).

Kriminalitätsopfer erhalten bei der Opferhilfeorganisation WEISSER RING e.V. Unterstützung und Hilfe z.B. durch menschlichen Beistand und persönliche Betreuung nach der Straftat sowie Begleitung zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht. Unter bestimmten Voraussetzungen ermöglicht der WEISSE RING Opfern eine frei wählbare kostenlose anwaltliche bzw. psychotraumatologische Erstberatung sowie eine rechtsmedizinische Untersuchung. Bundesweites Opfertelefon: 116 006.

Ihr Anwalt hat das Recht, bei Ihrer Vernehmung durch das Gericht oder die Staatsanwaltschaft anwesend zu sein. Ebenso darf eine Vertrauensperson zugegen sein, wenn dadurch der Untersuchungszweck nicht gefährdet wird.Bei der Polizei ist der Opferschutz ein fester Bestandteil der polizeilichen Arbeit und Aufgabe eines jeden Polizeibeamten. Dies umfasst einen sensiblen Umgang mit den Opfern, die Aufklärung über die Opferrechte sowie die Weitervermittlung an örtliche Opferhilfeeinrichtungen.

In einigen Bundesländern sind in der Polizei „Opferschutzbeauftragte“ mit der Vernetzung der örtlichen Opferhilfe betraut und stehen Ihnen als Ansprechpartner in den Polizeibehörden zur Verfügung. Informationen über die Aufgaben und Möglichkeiten dieser polizeilichen Ratgeber erhalten Sie über die (Kriminal-)Polizeilichen Beratungsstellen.

Sind Sie verletzt worden, dann sollten Sie sich unverzüglich von Ihrem Hausarzt, einem Facharzt oder in einem Krankenhaus behandeln lassen. Die Kosten für die Behandlung übernimmt in der Regel Ihre Krankenversicherung. Ereignete die Straftat sich im Rahmen Ihres Arbeitsverhältnisses, tritt meist die Berufsgenossenschaft in die Leistungspflicht ein. Bei Vorliegen der Voraussetzungen können Sie auch Ansprüche nach dem Opferentschädigungsgesetz geltend machen. Bei der Antragstellung unterstützen Sie Polizei und WEISSER RING e.V.

Eine Dokumentation Ihrer Verletzungen kann sowohl im Strafverfahren als auch für die Durchsetzung Ihrer Interessen (Schmerzensgeld, Verdienstausfall etc.) als Beweismittel von Bedeutung sein. Besonders spezialisiert für Dokumentation und Sicherung von Spuren sind Ambulanzen für Gewaltopfer und rechtsmedizinische Institute.  Auskunft über Standorte in Ihrer Nähe erhalten Sie ebenfalls von Ihrer Polizei oder bei der nächsten Außenstelle des WEISSER RING e. V.

Der Täter ist gesetzlich verpflichtet, dem Opfer den verursachten Schaden zu ersetzen. Dazu gehören unter anderem Vermögensschäden, Schmerzensgeld, entgangener Lohn, Haushalts-, Heil- und Krankenhauskosten oder Schäden durch verminderte Erwerbsfähigkeit. Zur Durchsetzung der Ansprüche muss in der Regel eine Zivilklage geführt werden, die grundsätzlich auf eigene Kosten und eigenes Risiko erfolgt. Nur bei bestimmten Vertragsabschlüssen werden die finanziellen Aufwendungen von Rechtsschutzversicherungen übernommen. Im so genannten Adhäsionsverfahren kann das Gericht auch bereits im Zuge des Strafverfahrens über Anspruch und Höhe von Schadensersatz und Schmerzensgeld entscheiden.

Die Privatklage vor einem Strafgericht darf nicht mit der Schadensersatzklage vor einem Zivilgericht verwechselt werden. Während Sie mit einer Zivilklage erreichen können, dass Ihnen Schadensersatz oder Schmerzensgeld zugesprochen wird, erstreben Sie als Privatkläger die Bestrafung des Täters.

Die wichtigsten Privatklagedelikte sind:

  • Hausfriedensbruch
  • Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung
  • Körperverletzung
  • Bedrohung mit einem Verbrechen
  • Sachbeschädigung

Eine Privatklage kommt normalerweise dann für Sie in Betracht, wenn die Staatsanwaltschaft die Verfolgung einer Tat mangels öffentlichen Interesses abgelehnt hat. Allerdings muss dann der Staatsanwalt auf den Privatklageweg verweisen. Der Fall ist aber endgültig erledigt, wenn beim Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft von der Verfolgung der Tat (etwa wegen Geringfügigkeit) abgesehen wurde. Dann können Sie nicht mehr als Privatkläger aktiv werden.

In einem Ermittlungsverfahren sind Sie als Opfer einer Straftat immer zugleich auch Zeuge: nämlich so genannter „Opferzeuge“. Sollten Sie als Zeuge bedroht worden sein, informieren Sie unbedingt Polizei, Staatsanwaltschaft oder das Gericht.

Zur Betreuung von Opferzeugen sind weitreichende Möglichkeiten geschaffen worden, wie zum Beispiel Zeugenzimmer und psychosoziale Prozessbegleitung. Um besonders schutzbedürftigen Zeugen eine erneute, psychisch stark belastende Konfrontation mit dem Täter zu ersparen, kann die Vernehmung auf Video aufgezeichnet und später vor Gericht abgespielt werden. Ebenso ist der Ausschluss der Öffentlichkeit unter Umständen möglich. Welche Möglichkeiten bei dem für Sie zuständigen Gericht angeboten werden erfahren Sie oder Ihr Anwalt bei der Geschäftsstelle des Gerichts.

Auch Kinder sind Zeugen, wenn sie Opfer einer Straftat geworden sind oder entsprechende Beobachtungen gemacht haben. Eine Altersgrenze sieht das Gesetz nicht vor: Vielmehr kommt es darauf an, wie verständig das Kind bereits ist. In der Hauptverhandlung werden Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren allerdings nur vom Richter befragt. Die Videoaufzeichnung einer ersten richterlichen Vernehmung soll es Opferzeugen unter 16 Jahren ersparen, sich einer zusätzlich belastenden Zeugenaussage im weiteren Verfahren auszusetzen.

Wenn Ihr Kind Opfer einer Straftat geworden oder es in einem Prozess als Zeuge geladen ist, sollten Sie sich rechtzeitig nach einer geeigneten Beratungseinrichtung erkundigen. Nähere Informationen über Einrichtungen dieser Art in Ihrer Region erhalten Sie im Kapitel Opferhilfe und Zeugenbetreuung.

Eine entwendete Geldkarte sollten Sie unverzüglich sperren lassen. Veranlassen können Sie dies zu jeder Tages- und Nachtzeit unter dem weltweit einheitlichen Sperr- Notruf 116 116.

Lassen Sie die SIM-Karte und ggf. das Handy durch einen Anruf bei Ihrem Netzbetreiber sofort sperren. Das gilt auch für Prepaidkunden! Halten Sie neben Ihrer Mobiltelefonnummer auch die Kartennummer sowie Ihr Kenn- bzw. Passwort bereit. Sie können die Sperrung jedoch auch schriftlich veranlassen.

Sind Sie sich sicher, bestohlen worden zu sein? Dann sollten Sie umgehend Anzeige erstatten. Zur Anzeigenerstattung bringen Sie bitte folgende Unterlagen mit:  

  • die IMEI-Nummer Ihres Mobiltelefons (Diese finden Sie auf dem Aufkleber hinter dem Akku, auf der Verpackung oder bei Eingabe der Zeichenfolge:* # 06 # (nicht alle Handys unterstützen diese Funktion)
  • die Rufnummmer
  • die SIM- Kartennummer
  • das Modell/Typ 

Notieren Sie sich diese Angaben in Ihren Unterlagen!